Volltext

(Artikel * 1998) Tiedjen, Jörg
Das Recht auf das eigene Bild Ein Streifzug durch das arabische Kino
in Blätter des iz3w Nr. 233 * Seite 40 - 43
Themen: Film * Ägypten; Algerien; Tunesien * Dok-Nr: 77640
Standorte: A3W Osnabrück; iz3w Freiburg; Nicabüro Wuppertal; VNB Barnstorf; 3WF Hannover; IfaK Göttingen; biz Bremen; EWNT Jena

Film

Das Recht auf das eigene Bild
Ein Streifzug durch das arabische Kino

von Jörg Tiedjen


In seinem Aufsatz über »Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit« schreibt Walter Benjamin von dem legitimen Anspruch der Menschen, sich selbst in Filmen darzustellen. Dieses Recht auf das eigene Bild war für das Kino der arabischen Länder während des Kolonialismus nur schwer einzulösen. Teilweise jedoch ist es gelungen, den westlichen Projektionen ein eigenes Bild entgegenzusetzen. Schade nur, daß diese Filme, wie auch die neueren arabischen Filme, so selten in deutschen Kinos zu sehen sind.

Schon bald nach Erfindung des Kinos wurde in vielen arabischen Ländern1 versucht, eigene Filme zu drehen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, sollte dies aber lange so gut wie unmöglich bleiben. Der Kolonialismus plünderte nicht nur Ressourcen, er formte auch das kulturelle Antlitz der arabischen Welt nach den eigenen Vorstellungen.2 Die Filmpolitik hatte dabei die wichtige Funktion, der westlichen Hegemonie entsprechende Denk- und Verhaltensmuster zu erzeugen. So drehte insbesondere die Kolonialmacht Frankreich eigene arabische Filme, die mit der arabischen Wirklichkeit rein gar nichts zu tun hatten.
Das einzige arabische Land mit einer umfangreichen, kontinuierlichen Filmproduktion, deren Anfänge bis in die frühe Stummfilmzeit zurückreichen, ist Ägypten, das trotz einer ersten formalen Unabhängigkeitserklärung 1922 de facto bis in die 50er Jahre hinein britisches Protektorat blieb. Ebenfalls 1922 gründete der Ökonom Talaat Harb mit im ganzen Land gesammelten Mitteln die unabhängige Misr-Bank. Diese investierte in den Aufbau einer ägyptischen Filmindustrie, vor allem eines Studios in Gizah, das 1935 seine Arbeit aufnahm.
Die ägyptische Filmindustrie konnte noch auf ein weiteres Kapital bauen: Viele ägyptische, in Ägypten ansässige oder ins Land berufene Künstler und Intellektuelle waren an der Entstehung des ägyptischen Films beteiligt, darunter einflußreiche Frauen, von denen viele in einer aktiven Frauenbewegung engagiert waren.3 In der ganzen arabischen Welt bis heute ungebrochen populäre Sänger und Sängerinnen wie Mohammed Abdelwahab und Umm Kulthum spielten die Hauptrollen in Musikfilmen wie »Al Warda al beida ? Die weiße Rose« oder »Wedad«, die das ägyptische Kino rasch in der ganzen arabischen Welt beliebt machten.

Antikolonialistischer Film
Von nun an waren die ägyptischen Filme eine Realität, an der man nicht mehr vorbeikam: Zum ersten Mal gelang es, ein anderes Bild der arabischen Wirklichkeit zu zeichnen als etwa die französischen Kolonialfilme mit ihren Märchen von den überlegenen, selbstlosen Europäern und den glücklich zivilisierten Eingeborenen, bedroht allenfalls durch barbarische Mudjahedin oder finstere Nazis. Westliche Produktionen haben nie aufgehört, diese Mythen zu erzählen.
Allerdings hatten es arabische Filme immer schwer, die Wirklichkeit darzustellen. Schon 1938, unmittelbar nach seinem Start in den Kinos, rief der Film »Lashin« die allgegenwärtige Zensur auf den Plan und mußte wieder vom Programm abgesetzt werden. »Lashin« bedient sich eines historischen Sujets aus dem Mittelalter, als mongolische Reitertruppen kurz davor standen, Ägypten zu erobern. »Lashin« beschreibt auf schlichte Weise, wie Kolonialismus funktioniert: Eine ausländische Macht verlangt Zugang zu den Reichtümern eines Landes. Wenn sie das Land nicht erobern kann und die Regierung dem Begehren nach »freiem Welthandel«, d.h. Knebelverträgen und Sonderkonditionen, nicht nachgibt, wird sie versuchen, die Regierung durch Kollaborateure zu unterwandern. An die Macht gelangt, belohnen diese die fremde Unterstützung, durch die sie für immer kompromittierbar sind, indem sie den Bedingungen der ausländischen Macht zustimmen ? zu Lasten der einfachen Bevölkerung, die schließlich sowohl für die ausländischen Tributforderungen als auch für die neugeschaffene Elite aufzukommen hat. Und wenn sie nicht will, dann wird sie von Polizei und Militär dazu gezwungen.
Der ägyptische und arabische Film ist eher in der Stadt beheimatet. Gleichwohl berichten heute eine ganze Reihe arabischer und ägyptischer Filme von der Situation auf dem Land. In dem ägyptischen Film »Arack el-Balah ? Der Palmwein« treiben Abgesandte einer pharaonischen Macht die männliche Bevölkerung in die Stadt. »Wollt ihr wirklich noch so leben wie in vergangenen Zeiten?« Die Oase wird nicht mehr richtig bewirtschaftet. Zudem werden Konflikte unter der verbliebenen Bevölkerung lanciert, die unter Berufung auf atavistische Traditionen, die zum Beispiel die Blutrache vorschreiben, eskalieren. Ähnliches ist in dem algerischen Film »L?Arche du Désert ? Die Wüstenarche« von Mohammed Chouikh zu sehen, einer Parabel über die Massaker in Algerien.
In dem tunesischen Film »El Haimoune ? Die Wüstenwanderer« von Nacer Khemir irren die Männer einer Oase ziellos durch die Wüste. Es ist die Wüste einer zerschlagenen Ökonomie und Kultur, in der die meisten gezwungen sind, wollen sie sich und ihre Familien ernähren, Beschäftigung im subventionierten Norden, der Stadt oder im Ausland zu suchen.4 Zurück bleiben Alte, Kinder und Frauen. Das Geheimnis, wie man in der zunehmend unwirtlicher werdenden Gegend leben kann, ist verloren gegangen. Der alte Scheich, der das Wissen in Form eines Buches hütet, ist erblindet. »Elend, Armut, Verzweiflung« kennzeichnen für den Regisseur die Lage im Süden. Zwar ist es ihm gelungen, vor allem auch in seinem zweiten Film »Tawk al hamama al mafkoud ? Das verlorene Halsband der Taube« schöne Bilder aus Tunesien zu zeigen, die geradezu für den Besuch dieses Landes werben. Aber direkt neben den gefilmten Schauplätzen liegen Ruinen.

Algerischer Film
Bis in die 80er Jahre hinein galt Algerien als das Musterland der Dritten Welt. Doch diese Illusion war schnell verflogen. Mohammed Chouikh hat mit seinem Film »Youcef, ou la légende du septième dormant ? Youssef oder Die Legende von den Siebenschläfern« eine böse Parabel auf die jüngere algerische Geschichte gedreht. Aus der Sicht eines alten FLN-Kämpfers, der in einem Feuergefecht mit den Franzosen das Gedächtnis verloren hat und Ende der 80er Jahre aus der Psychiatrie flieht, in der er bis dahin wie ein Gefangener untergebracht war, scheint es die Unabhängigkeit nie gegeben zu haben: ein Kollaborateur ist zum Funktionär avanciert, die Frauen sind verschleiert, nach dem Familiengesetz ihrer bürgerlichen Rechte beraubt, die einfache Bevölkerung steht um Brot an, durch die Wälder ziehen bewaffnete, marodierende Banden. War der so schwer errungene Sieg über die Franzosen ein Pyrrhussieg?
Aufgrund der Zensur kann es im algerischen Film ebenso wenig wie in der Presse ein klares Bild von den Parteien geben, die sich gegenwärtig einen blutigen Bürgerkrieg um den Zugriff auf die reichen Ressourcen des Landes liefern. In den Filmen des algerischen Regisseurs Merzak Allouache bleiben die Drahtzieher auf vielsagende Weise anonym. Man kann sich jedoch denken, wer hinter den Dunkelmännern und Killerkommandos in BMWs steht, die Kontakte zu möglichen Kollaborateuren halten, diese oft erpressen. So zum Beispiel einen Journalisten in Allouaches neuestem Film »Alger/Beyrouth, pour mémoire ? Algier/Beirut, zur Erinnerung«, der deshalb einen Kollegen verrät. Als dieser ermordet wird, flieht der Journalist in das zerstörte Westbeirut, wo er die Möglichkeit hat, als Setzer in einer Druckerei zu arbeiten. Hier trifft er eine französische, aus dem Libanon stammende Kollegin, die die Stadt zum ersten Mal seit Ende des Bürgerkrieges wieder besucht. Der Film zeigt die Geschichte ihrer Annäherung in einem bereits verwüsteten Land. Indem er die Vorgeschichte des Journalisten erst nach und nach enthüllt, reflektiert er zugleich die Schwierigkeiten, ein Verständnis von dem gewinnen zu können, was in Algerien, im Libanon oder im Irak geschieht.
In dem Film »Bab el-Oued City« von Merzak Allouache halten die Dunkelmänner im BMW Kontakt zu Said, dem Anführer einer Gruppe von Islamisten. »Bab el-Oued City« spielt kurz vor den Unruhen im Jahr 1988, als die Jugend ihre Zukunft einklagte und für bessere Lebensverhältnisse auf die Straßen ging. Said erhält dafür von den BMW-Fahrern eine Waffe, die ihm später zum Verhängnis wird. Zuvor versucht er mit seiner Gruppe in Bab el-Oued aufzuräumen. Es geht vor allem gegen den Bäckergesellen Boualem, der einen Lautsprecher, über den die Reden des Imam übertragen werden, von seinem Hausdach entfernt hat.
Der Imam vertritt einen toleranten Islam. Doch seine Worte werden nicht mehr gehört, oder sie werden nicht verstanden. Boualem fressen sie sich wie ein Alpdruck in das Bewußtsein. Said deutet sie anders, als sie gemeint sind: »Der Prophet, der von Gott erwählt wurde, sagt: ?Die Reinheit kommt vom Glauben, der Schmutz vom Teufel.? Gehen wir durch unsere Straßen, sind wir vom Schmutz umgeben. Und dieser Schmutz reicht bis vor unsere Tür. Niemand scheint ihn zu bemerken, als ob wir alle blind wären!« Für Said und seine Freunde ist Boualem solcher Schmutz. Ebenso eine Frau, die allein lebt, seit ihr Freund, Anhänger einer linken Gruppierung, verschwunden ist, wahrscheinlich ermordet wurde; ferner die »antennes diaboliques« auf dem Dach und die Pieds noirs, die ihre Heimat besuchen. Unter letzteren befindet sich eine alte, blinde Frau, die als einzige den wirklichen Schmutz zu bemerken scheint: den Geruch, den die Kanäle von Bab el-Oued ausströmen. Zum Schluß verläßt, wie zuvor bereits Boualem und die einsame Frau, auch der Imam das Viertel. Er versteht die Menschen seiner Gemeinde nicht mehr.

Geschichte gegen den Strich gebürstet
Unter den arabischen bzw. ägyptischen Regisseuren ist Youssef Chahine heute der prominenteste. Seit 1950, als er aus den USA, wo er Regie studierte, zurückkehrte, hat Youssef Chahine 32 Spielfilme gedreht: Melodramen und Komödien, Musicals, historische Filme, Krimis ? Filme, die heute zu den Klassikern des Kinos der Welt zählen. 1962 realisierte Youssef Chahine einen Film, der wie kein zweiter dem (nicht nur arabischen) Traum von der Unabhängigkeit und Souveränität in Frieden, Wohlstand und Toleranz Ausdruck verleiht: den Film »An Nasir Salah ad-Din ? Saladin« über den mittelalterlichen Gelehrten, Sultan der Fatimiden und Anführer eines geeinten arabischen Heeres, das die Kreuzfahrer aus Jerusalem und Palästina vertrieb. Wer wollte, konnte allerdings auch bleiben.
So war die Geschichte bis dahin nur selten dargestellt worden. In westlichen Filmen sind die Kreuzfahrer stets die Guten. Diese Sicht ist jedoch angesichts ihrer Taten zu revidieren, wie überhaupt die herrschende Historiographie, an deren Verbreitung Filme keinen unwesentlichen Anteil haben, »gegen den Strich zu bürsten« (Walter Benjamin) ist. »Saladin« sollte zudem der ägyptischen Politik mit ihrer panarabischen Perspektive eine historische Parallele eröffnen. Saladin erscheint als ein Alter Ego von Präsident Gamal Abdel Nasser. Nasser verwahrte unter seinem Bett eine Kopie des Films, um ihn Besuchern jederzeit vorführen zu können.
In seinem letzten Film »Al Massir ? Das Schicksal« hat Youssef Chahine ein historisches Sujet gewählt, das deutliche Parallelen zur Gegenwart aufweist. Bauern sollen von ihrem Land vertrieben werden, Intellektuelle und Künstler sind Opfer eines vorgeblich religiösen Terrors, nicht nur in den arabischen und islamischen Ländern. So beginnt der Film auch nicht in einem arabischen Land, sondern, gleichsam an die Wurzeln des Fundamentalismus gemahnend, im zwölften Jahrhundert im Languedoc: ein Schriftsteller, der unter anderem Werke des arabischen Philosophen Averroes ins Lateinische übertragen hat, wird wegen Blasphemie und Ketzerei von der Inquisition zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Sein Sohn Youssef flieht nach Cordoba, wo er von Averroes und seiner Familie aufgenommen wird.
Sehr klar benennt Chahine in diesem Film die Konfliktparteien der gegenwärtigen Auseinandersetzungen in den meisten arabischen, aber auch anderen Ländern: da sind, im Gewande der Spanier, Franzosen oder auch der Inquisition, die Global Player des Weltgeschehens. Da sind die Islamisten, deren führende Köpfe nichts weiter als Agenten des Neokolonialismus sind, der alle Mittel der Intrige und Demagogie bis hin zum blanken Terror ausschöpft, um Regierungen, die eine unabhängige Politik betreiben, gefügig zu machen und die Regierten über die Hintergründe zu betrügen. Und da sind die Intellektuellen und Künstler, im Film Philosophen wie Averroes oder der Sänger Tamim, die zwischen den Fronten zerrieben und zum Schweigen verurteilt werden sollen. Zwar gelingt es am Ende, die Werke des Averroes dem Taumel der Vernichtung, in den Andalusien gestürzt wird, zu entreißen. Aber, wie es bei Walter Benjamin heißt: »Auch die Toten werden vor dem Feind, wenn er siegt, nicht sicher sein. Und dieser Feind hat zu siegen nicht aufgehört.«
»Al Massir« ist der erste Film von Youssef Chahine, der in Deutschland ins Kino kommt. Dies täuscht ein wenig darüber hinweg, daß die Kinematographien der arabischen Länder heute vor ganz einfachen Schwierigkeiten stehen. Es beginnt bei den Spielstätten selbst: in den meisten arabischen Ländern hat ihre Zahl in den letzten beiden Jahrzehnten rapide abgenommen, sich zum Teil um ein Drittel reduziert.5 Vielen Kinos ist nicht mehr anzusehen, daß sie einmal bessere Tage gekannt haben. Die technische Qualität der Vorführungen ist gerade auch in vielen Ciné-Clubs eher schlecht. Das Publikum ist polarisiert. Es gibt nicht nur die vorwiegend männlichen Kinogänger auf der Suche nach Unterhaltung und den kleinen Kreis der Cineasten. Es gibt zudem ein armes und ein reiches Publikum. In den großen Kinos sind wie hier Hollywood- oder europäische Filme zu sehen. Ansonsten gibt es ein buntes Programm aus indischen Melodramen, Hongkong-Actionfilmen und einer Nachlese aus Hollywoods B-Filmproduktion. Der Anteil orientalischer, arabischer und indischer Filme zusammen, hat in den arabischen Ländern 25 % nie überstiegen.
Die im Libanon und Algerien entfesselte Gewalt trifft nicht zuletzt auch den arabischen Film. So waren es libanesische Banken, die in der Vergangenheit einen Großteil der ägyptischen Filmproduktion finanzierten, und auch Algerien produzierte und koproduzierte viele arabische Filme. An die Stelle des Libanon sind als Geldquellen, sieht man einmal von den wenigen Koproduktionen insbesondere mit Frankreich ab, heute Saudi-Arabien und die Emirate getreten, die treuesten Vasallen des Westens in der Region. Dort hat man jedoch kaum Interesse an Filmen, die die Situation in den arabischen Ländern kritisch beleuchten. Für den arabischen Film wird es nur dann eine Perspektive geben, wenn es auch eine für die arabische Welt gibt.

Anmerkungen:

1 Die Begriffe »arabisch« und »westlich« sollen hier vor allem auf die Herkunft der verschiedenen Filme verweisen.

2 Daß islamische Würdenträger und monarchistische Marionettenregime dabei mit den Kolonialmächten paktierten, zeigt beispielsweise die tunesisch-französische Koproduktion »Shamt al-Kusur ? Palast des Schweigens« von Moufida Tlatli (1994).

3 Auf die Rolle einflußreicher Frauen bei der Entstehung des ägyptischen Films weisen insbesondere Kristina Bergmann (1993), 6ff und Kamal Ramzi, Des pionnières qui ont enrichi le cinéma égyptien, in: Egypte, 74ff hin.

4 In Tunesien wurde, im Verein mit der BRD-Regierung, für die Abwanderung ins Ausland geworben. Vgl. z.B. Beatrix Pfleiderer-Becker, Tunesische Arbeitnehmer in Deutschland. Eine ethnologische Feldstudie über die Beziehungen zwischen sozialem Wandel in Tunesien und der Auslandstätigkeit tunesischer Arbeitnehmer, Sozialwissenschaftliche Studien zu internationalen Problemen 14 (1978) Saarbrücken, 63.

5 Angaben über die Zahl der Kinos in den arabischen Ländern finden sich bei Shafik (1996), 63. Für Ägypten vgl. insbesondere Medhat Mahfouz, Les salles de projections dans l?industrie cinématographique, in: Egypte, 124ff. Auch Bergmann (1993), XIff, schreibt über die Kinos und ihre wechselvolle Geschichte.


Jörg Tiedjen ist Mitarbeiter im Kommunalen Kino Heidelberg.



Filmographie und Verleihangaben:

Arabische Filme sind bisher nur selten in Deutschland zu sehen gewesen. Die Ausnahme bilden entsprechende Reihen im »Haus der Kulturen der Welt« in Berlin, die auch an andere Kinos verliehen werden, insbesondere Kommunale Kinos und Filmmuseen. Hin und wieder werden arabische Filme im Fernsehen ausgestrahlt, wo sie auch über Satellit aus den arabischen Ländern selbst zu empfangen sind. Das »Institut du Monde arabe« in Paris veranstaltet alle zwei Jahre im Juli das »Festival des arabischen Films«, das nächste Mal im Jahr 2000. Weitere Festivals sind das Karthago-Festival in Tunis und das FESPACO in Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou, die abwechselnd stattfinden, sowie die Filmfestivals in Alexandria und Kairo. Französische Videokassetten können nur mit SECAM-Videorecordern abgespielt werden, Kassetten aus den arabischen Ländern selbst sind selten untertitelt.

Ägypten:

TAl Warda al beida ? Die weiße Rose
von Mohamed Karim (1933)
Wedad von Fritz Kramp (1935)
Lashin von Fritz Kramp (1938)
An Nasir Salah ad-Din ? Saladin von Youssef
Chahine (1962)
Al Massir ? Das Schicksal von Youssef Chahine (Ägypten/Frankreich 1997) ist auszuleihen beim KOOL-Filmverleih in Freiburg i.B..
Arack el-Balah ? Der Palmwein von Radwan El-Kashef (1998); dieser im Dialekt gedrehte Film, ein Projekt, das erst nach zehn Jahren realisiert werden konnte, wurde produziert von der von Youssef Chahine gegründeten Produktionsgesellschaft MISR International Films, Fax 0020/2/5788033.
Eine komplette Filmographie für Ägypten bietet der Sammelband Egypte. 100 ans de cinéma (1995).
Algerien:

Youcef, ou la légende du septième dormant ? Youssef oder Die Legende von den Siebenschläfern von Mohammed Chouikh (Algerien 1993) ist im Verleih der Freunde der Deutschen Kinemathek, Berlin, auszuleihen.
Bab el-Oued City von Merzak Allouache (Algerien/Frankreich 1994) ist auf 35 mm auszuleihen über den Arsenal-Filmverleih, Tübingen, auf 16 mm über EZEF in Stuttgart oder den Bundesverband Jugend & Film in Frankfurt a.M.. Der Arsenal-Filmverleih führt noch andere arabische Filme in seinem Programm, allerdings durchweg deutsch synchronisiert.
L?Arche du Désert ? Die Wüstenarche von Mohammed Chouikh (1997) ist, wie noch weitere arabischen Filme, im Verleih der Freunde der Deutschen Kinemathek, Berlin, auszuleihen
Alger/Beyrouth, pour mémoire ? Algier/ Beirut, zur Erinnerung von Merzak Allouache (Frankreich/Libanon 1998), auszuleihen über France Télévision Distribution, Fax 0033/1/ 44250142
Tunesien:

El Haimoune ? Die Wüstenwanderer von Nacer Khemir (1984) ist bei trigon-Film in Rodersdorf, Schweiz, auszuleihen.
Tawk al hamama al mafkoud ? Das verlorene Halsband der Taube von Nacer Khemir (1991) ist ebenfalls bei trigon-Film auszuleihen. Über trigon sind auch weitere arabische Filme zu beziehen.
Shamt al-Kusur ? Palast des Schweigens von Moufida Tlatli (Tunesien/Frankreich 1994), im Verleih bei Pegasos in Frankfurt a.M.

Literaturhinweise:

Arab Cinematics: Toward the new end the alternative, Alif Journal of Comparative Poetics, Nr. 15 (1995), Kairo,
e-mail: alifecl@auc-acs.eun.eg

Das Dritte Kino in Arabien und Afrika, Augenblick 16, Marburger Hefte zur Medienwissenschaft (1993) Marburg

Egypte. 100 ans de cinéma. Sous la direction de Magda Wassef, Librairie du Premier Siécle du Cinéma (1995) Paris

Kristina Bergmann, Filmkultur und Filmindustrie in Ägypten (1993) Darmstadt

Viola Shafik, Der arabische Film. Geschichte und kulturelle Identität, (1996) Bielefeld

Zu Youssef Chahine vgl. vor allem Cahiers du cinéma, Spécial Youssef Chahine, Cahiers du cinéma 506 (1996), Shafik, Youssef Chahine, Kinemathek Nr. 74 (1989) Berlin sowie die ausführliche Darstellung in Bergmann, (1993), 120ff.