Kritische Ökologie Nr. 47, Bd. 15[4]: 5 ? 6. 1999
Badak, Badak - zur Ex-Situ-Erhaltung in Malaysia und Singapore
von Axel Goldau
Malaysia ist (noch) eines der wenigen Länder, in deren Wäldern der Badak, das kleine südostasiatische Doppel- oder Sumatra-Nashorn (Dicerorhinus sumatrensis) seine angestammte Lebensweise fortsetzt: und das seit über 30 Millionen Jahren innerhalb der ältesten tropischen Regenwälder unserer Erde, die über 150 Millionen Jahre alt sind. Darüber hinaus ist Malaysia auch noch immer ein richtiger Tigerstaat, weil in seinen Dschungeln und Wäldern (noch) 100 bis 200 Tiger der Unterart Panthera tigris corbetti herumschleichen. Bis Mitte 1997 war Malaysia bei uns aber vor allem deshalb als ?Tigerstaat? bekannt, weil es mit kurzfristigen wirtschaftlichen Wachstumsraten um 8% als eines der gelungenen Beispiele neoliberaler Globalisierung galt. Nashorn und Tiger haben die Wirtschafts- und Finanzkrise zunächst überlebt: Die malaysische Gesellschaft trägt die Verantwortung für den Fortbestand ihrer Ökosysteme, die große Teile des Weltbestandes an bestimmter Fauna und Flora umfassen. Die jetzige malaysische Regierung verfügt über die administrativ-exekutiven und finanziellen Mittel dieser Verantwortung gerecht zu bleiben. Bisher sind in Malaysia nur zwei Großsäugerarten, nämlich das einhörnige kleine Panzer- oder Java-Nashorn (Rhinoceros sondaicus) und der Banteng (Bos javanicus) - und zwar während der Kolonialzeit (!) - völlig ausgerottet worden; in Deutschland sind Auerochse (Bos primigenius), Wisent (Bison bonasus), Elch (Alces alces), Tarpan (Equus przewalskii gmelini), Bär (Ursus arctos) Wolf (Canis lupus) und Luchs (Felis lynx) in geschichtlicher Zeit völlig verschwunden - Auerochse und Tarpan sogar endgültig von unserer Erde. Aber auch in Malaysia ist die Fauna im ständigen Rückgang begriffen und große Anstrengungen sind vonnöten, will Malaysia nicht dem europäisch-nordamerikanischen Entwicklungspfad zu Lasten der Natur und zukünftiger Generationen folgen.
0. Übersicht:
1. Malaysia und Singapore (Singapura)
2. Tropenwald und Landnutzung
3. Malaysia, UNCED und die Folgen
4. Die Nashörner innerhalb der orientalischen Säugetierfauna
5. Das malaysische Nashornprojekt
6. Die zoologischen Gärten in Melakka, Kuala Lumpur und Singapore
7. Ausblick
8. Danksagungen
9. Literatur
1. Malaysia und Singapore (Singapura)
Die Staatsfläche Malaysias umfaßt 331.800 km2, also etwas weniger als die Deutschlands (s. Tab. 1). Davon entfallen 131.235 km2 auf den südlichen Teil der Malaiischen Halbinsel und einige vorgelagerte Inseln (West-Malaysia); 200.564 km2 auf die zwei Bundesstaaten im Norden Borneos (Ost-Malaysia). Den südlichsten Zipfel der Malaiischen Halbinsel bildet eine Gruppe von 57 kleineren Inseln mit einer Gesamtfläche von 625 km2. Sie bilden den Stadt-Staat Singapore (Singapura). Umgeben vom Südchinesischen Meer und dem Indischen Ozean, in der Nähe des Äquators herrscht hier ein feucht-heißes Klima vor, das wesentlich vom Nordost- und vom Südwest-Monsun bestimmt wird. Während erster für Niederschläge vor allem von Oktober bis März sorgt, bringt der zweite den Regen von März bis August. Die hohen Temperaturen und die hohe Luftfeuchtigkeit haben die üppige tropische Vegetation hervorgebracht, die sich in Form von Mangroven- und Süßwasser-Sumpfwäldern, Dipterocarpaceen- und Heidewäldern mit großer biologischer Vielfalt darstellt. Weil diese Region in den letzten 150 Millionen Jahren relativ wenig von makroklimatischen Schwankungen berührt worden ist, finden wir hier die ältesten Regenwälder unserer Erde.
Noch vor weniger als 100 Jahren war der Süden der Malaiischen Halbinsel, das heutige West-Malaysia, nahezu vollständig von Wäldern bedeckt und kaum besiedelt. Die ältesten Nachweise menschlicher Kulturen reichen für die Halbinsel 35.000 Jahre zurück; entsprechende Belege für das ost-malaysischen Sarawak, im Norden der Insel Borneo, sogar 40.000 Jahre. Während der Wechsel von Kalt- und Warmzeiten des Pleistozäns war das südostasiatische Festland über die heutige Malaiische Halbinsel zeitweise landfest mit Sumatra, Java, Bali, den kleinen Sundainseln und Borneo als ?Sundaland? verbunden. Menschen und Fauna konnten vom asiatischen Festland her einwandern (mehr dazu im 4. Kapitel).
Belegt sind auch die Einwanderungen von Menschen vor etwa 5.000 bis 3.000 Jahren auf die Malaiische Halbinsel, die als Jäger und Sammler kamen und es bis heute geblieben sind. Ihre Nachfahren gehören mehreren Völkern an, die wegen ihrer dunklen Hautfarbe und Kleinwüchsigkeit von den Portugiesen als ?Negritos? bezeichnet wurden. Aus Südchina folgten ihnen vor etwa 3.000 bis 1.500 Jahren ?Proto-Malaien?, die vor allem praktizierende Ackerbauern waren und nur einen Teil ihrer Bedürfnisse aus der Jagd und Sammeltätigkeit deckten. Sie gelten als die Vorfahren der heutigen Orang Asli. Sie haben ihre Kulturen auf der Grundlage der biologischen Vielfalt der malaiischen Wälder weiterentwickelt und späteren Generationen keine Zerstörungen hinterlassen. Erst etwa 300 v.u.Z. wanderten ?Deutero-Malaien?, die Vorfahren der heutigen Malaien ins heutige West-Malaysia ein. Um 100 v.u.Z. wurde die Halbinsel von indischen und chinesischen Seefahrern angelaufen, später folgten auch Araber. Sie alle vermochten nicht gegen den Monsun anzusteuern, so daß der Ost-West-Handel über die malaiische Landbrücke zwischen der West- und Ostküste abgewickelt wurde. Die Ausbeutung der reichen Zinnvorräte zog weitere Siedler vor allem aus Indien und China ins Land. Bis heute stellen indisch- und chinesisch-stämmige Malaysier große Minderheiten im modernen Malaysia.
Am 10. August 1511 eroberten die Portugiesen den damals bedeutendsten regionalen Handelshafen Melakka. Dies war ein wichtiger Erfolg, das arabische Ost-West-Handels-Monopol zu brechen. Die portugiesische Herrschaft währte 130 Jahre und wurde im Rahmen der damaligen ?neuen Weltordnung? von den Holländern abgelöst, deren Einfluß schließlich von den Engländern zurückgedrängt wurde. Entscheidend dabei war der Kauf einer an der Meerenge zwischen Sumatra und der Malaiischen Halbinsel gelegenen Pirateninselgruppe durch Sir Thomas Stanford Raffles 1819. Schon ein Jahr später war das holländische Handelsmonopol gebrochen und deren Handelsstützpunkt Melakka fiel an die Engländer. Aus dem verwunschenen Piratennest wurde zunächst der bedeutendste Hafen für den Ost-West-Handel und später der ?Tiger-Stadt-Staat? Singapore (Singapura), in dem noch heute Sir Thomas Stanford Raffles wie ein Staatsgründer verehrt wird.
West-Malaysia besteht heute aus den neun Sultanaten, die 1959 als British Malaya in die Unabhängigkeit entlassen wurden. Sie schlossen sich mit den beiden britischen Protektoraten Penang und Melakka zur Malaiischen Föderation zusammen. Der junge Staat heißt von nun an Malaysia. 1963 kamen die britischen Protektorate Singapore, Sarawak und Sabah hinzu. Ein Krieg gegen Indonesien, das Anspruch auf die beiden Territorien im Norden Borneos erhob, konnte in letzter Minute gerade noch verhindert werden. Weil die neue malaiisch-nationalistische Regierung den politischen Einfluß der Chinesen fürchtete, die bis heute den größten Bevölkerungsteil Singapores stellen und die Wirtschaft dominieren, mußte Singapore 1965 die Malaiische Föderation verlassen. Malaysia besteht aus 13 Bundesstaaten, den neun Sultanaten und vier Gouvernements. Das Staatsoberhaupt ist ein König, der alle fünf Jahre aus der Mitte der Sultane gewählt wird. So ist Malaysia die einzige ?Wahlmonarchie? der Welt.
Seit 1981 wird das Land von Premierminister Mahathir Bin Mohamad regiert, der im Laufe seiner Amtszeit die Position der Zentralregierung bzw. die des Premierministers außerordentlich gestärkt hat. Im April 1995 wurde in Malaysia ein neues Parlament gewählt, das den den Premierminister tragenden Parteien eine Zweidrittelmehrheit bescherte. Unter Mahathir erfolgte die wirtschaftspolitische Umorientierung weg vom Vorbild der westlich kapitalistischen Demokratien vor allem der USA hin zur ?Japan-GmbH?, eine enge Allianz zwischen der herrschenden politischen Partei und Wirtschaft. Nicht nur wirtschafts-, sondern auch sicherheitspolitisch orientiert sich das moderne Malaysia mehr und mehr am kleinen südlichen Nachbarn Singapore. Unter Lee Kuan Yew wurde Singapore nach Japan neben Südkorea, Taiwan und Hongkong einer der vier ?Tigerstaaten? der ersten Generation (DAUTH 1991). Die wirtschaftlichen Turbulenzen von 1997 sind an Singapore relativ sanft vorübergegangen. Weniger sanft waren die Rauchschwaden, die von den indonesischen Waldbränden herüberwehten, Singapores Himmel verfinsterten, den Menschen die Luft zum Atmen nahmen und - der größte Schrecken für Singapores geschäftige Einwohner - den Besucherstrom zumindest zeitweilig versiegen ließen.
Malaysia, einer der ?Tigerstaaten? der zweiten Generation, dessen Wirtschafts- und Finanzsystem seit Mitte 1997 ins Wanken geraten ist, durchlebt seit Herbst letzten Jahres erstmalig größere innenpolitische Turbulenzen. Ausgelöst wurden diese durch die Entlassung und spätere Verhaftung der ?Nr. 2? der malaysischen Staatselite, des Finanz- und stellvertretenden Premierministers Anwar Ibrahim. Am 14. April 1999 wurde er schließlich zu sechs Jahren Haft verurteilt. Ihm wurde zur Last gelegt, in vier Fällen sein Amt mißbraucht zu haben, um seine ?sexuellen Verfehlungen? zu vertuschen. Von Beginn an hat die malaysische Führung und Justiz wenig Mühe darauf verwendet, dem ganzen Verfahren auch nur einen Anstrich von Rechtsstaatlichkeit zu verleihen. Einen Höhepunkt erreichte dieser politische Machtkampf zwischen dem seit 1981 regierenden Premierminister Mahathir Bin Muhammad und seinem ehemaligen Vertrauten ganz sicher darin, daß der damalige Polizeichef Rahim Noor den am 21. September verhafteten Anwar in seiner Zelle persönlich zusammenschlug.
Wie dieser Machtkampf zwischen dem Premierminister und seinem geschaßten Ex-Günstling letztendlich enden wird, bleibt abzuwarten. Jedenfalls hat Frau Wan Azizah Wan Ismail, die von Beruf Augenärztin und mit Anwar Ibrahim verheiratet ist, inzwischen die ?Nationale Gerechtigkeitspartei? gegründet, die der bisher sehr zersplitterten Opposition in Malaysia einen strukturellen Rahmen verleihen vermag, der Premierminister Mahathir durchaus zu schaffen machen könnte.
Das atemberaubendes Wirtschaftswachstum, das auf Kosten von Menschenrechten, der Natur und der Umwelt in Malaysia durchgesetzt wurde, schien Mahathirs Politik Recht zu geben - bis zum Börsen- und Währungszusammbruch im Sommer 1997. Was den Betroffenen im ost-malaysischen Sarawak mit Unterstützung internationaler Solidaritäts- und Umweltgruppen nicht gelang, besorgte die Wirtschafts- und Finanzkrise: die Stornierung des unsinnigen wie zerstörerischen Bakun-Staudamm Projektes. Ob dies allerdings als Chance wahrgenommen wird, andere Prioritäten für die weitere Entwicklungsplanung des Landes zu setzen, bleibt abzuwarten. Noch immer verhindert die Politik eine offene Diskussion über die immer größer werdenden ökologischen Probleme und den zunehmenden Verlusten an biologischer Vielfalt des Landes. Das Regime verfügt z.B. über das Internal Security Act, eine Art Super-Notstands-Polizei-Gesetz, wonach jede Frau und jeder Mann bis zu zwei Jahre ohne richterlichen Beschluß eingesperrt werden kann, wenn die Regierung ?die nationale Sicherheit gefährdet? wähnt. Dieses innenpolitische Mittel haben immer wieder Kritikerinnen und Kritiker von Regenwaldzerstörungen und Menschenrechtsverletzungen am eigenen Leibe erfahren müssen. So wurde z.B. auch die Berichterstattung und Kommentierung der Waldbrände vor allem in Indonesien unter das Internal Security Act gestellt; selbstverständlich auch jede Äußerung zu den Wald- und Buschbränden, die schließlich auch in West-Malaysia ausgebrochen waren.
2. Tropenwald und Landnutzung:
Innerhalb der mittlerweile stark dezimierten südostasiatischen Wälder dominiert unter den Holzpflanzen die Familie Dipterocarpaceae, eine Pflanzenfamilie, die auf die Tropen der Alten Welt beschränkt ist. Entsprechend werden diese Wälder Dipterocarpaceen-Wälder genannt, obwohl nicht überall die meisten Pflanzen dieser Familie angehören. Da Südostasien nicht solchen makroklimatischen Schwankungen wie etwa Zentralafrika unterworfen wurde, bestehen diese Wälder bereits seit 150 Millionen Jahren als noch die Dinosaurier die Erde bevölkerten und die Säugetiere im Schutze der Nacht ein zurückgezogenes Dasein führten. Die Artenvielfalt an Gefäßpflanzen, also Blüten- und Farnpflanzen, der Wälder West-Malaysias wird auf etwa 8.500 geschätzt, die Ost-Malaysias sogar auf etwa 11.000 (CUBITT & PAYNE 1994).
Nachdem Henry Wickham 1876 etwa 70.000 Samen des Gummibaumes Hevea brasiliensis in Brasilien gestohlen hatte, brachten die Engländer mit der Plantagenwirtschaft das kapitalistische Recht auf Grund und Boden nach Malaysia und leiteten damit einen Zerstörungsprozeß ein, der in vorkolonialer Zeit durch ein völlig anderes Rechts- und Wertesystem vermieden worden war. Eigentumsrechte auf Wälder gab es nicht, wohl aber Nutzungsrechte, die an die Verpflichtung geknüpft waren, Land und Ressourcen pfleglich zu bewirtschaften und das Recht zukünftiger Generationen auf Entwicklung zu respektieren. Neben Gummibaumplantagen wurde vor allem in den achtziger Jahren der Ölpalm-Anbau stark ausgeweitet, so daß Malaysia zum weltweit größten Palmöl-Exporteur der Welt avancierte. Gleichzeitig ließ man die Nahrungsmittel-Erzeugung verkommen: Nur maximal 40% des malaysischen Reisbedarfs werden im Lande erzeugt.
Darüber hinaus ging man zu einer ausbeuterischen Holznutzung über. Noch heute ist Malaysia einer der größten Tropenholzexporteure. Da sich bereits 1980 auch in Malaysia die Erkenntnis durchgesetzt hatte, daß bei Fortsetzung dieser Form der Holzausbeutung 1990 der Wald auf der Malaiischen Halbinsel endgültig verschwunden sein dürfte, wurden Regularien eingeführt und die Holzausbeute vor allem in Ost-Malaysia forciert (CHEE 1990). Bereits seit Jahren holzen malaysische Firmen in Papua-Neuguinea und anderen ozeanischen Staaten und weiten ihre Aktivitäten auf alle Tropenwaldgebiete unserer Erde aus.
3. Malaysia, UNCED und die Folgen
Noch während der Vorbereitungsphase der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung (?United Nations Conference on Environment and Development: UNCED?) 1992 profilierte sich Malaysia als Sprecher der Entwicklungsländer, indem es die Kritik aus den Industrieländern an der Umweltpolitik der Entwicklungsländer zurückwies und das Recht auf Entwicklung lautstark einforderte. Malaysia blieb bis zur Vertragsstaatenkonferenz der Konvention über die biologische Vielfalt (?Conference of Parties: COP?) 1996 in Jakarta ein bedeutender Sprecher der Entwicklungsländer für die Durchsetzung ihrer Interessen bei der Bewertung von Eigentumsrechten an Lebewesen und Fragen der biologischen Sicherheit (mehr dazu s. Artikel in diesem Heft). Malaysische Umweltorganisationen wie etwa das ?Third World Network? unterstützen ihre Regierung bei den internationalen Verhandlungen (RAJAMOORTHY pers. Mittlg.). Nach Jakarta knickte die malaysische Regierung jedoch ein und nach der Wirtschafts- und Finanzkrise im Sommer 1997 spielt Malaysia im UNCED-Nachfolgeprozeß keine aktive Rolle bei der Durchsetzung von Drittwelt-Länder-Interessen mehr. Singapore hat sich im Zusammenhang mit Umwelt- und Entwicklungsfragen nie besonders zu profilieren versucht.
Malaysia und Singapore haben die Konvention über die biologische Vielfalt (?Convention on Biodiversity: CBD?) am 24. Juni 1994 bzw. am 21. Dezember 1995 ratifiziert und sich damit zum Erhalt ihrer biologischen Vielfalt verpflichtet. Nach der Konvention (Rio de Janeiro 1992, Artikel 2)
? ?bedeutet 'Ex-situ-Erhaltung' die Erhaltung von Bestandteilen der biologischen Vielfalt außerhalb ihrer natürlichen Lebensräume",
im Gegensatz dazu
? ?bedeutet 'In-situ-Erhaltung' die Erhaltung von Ökosystemen und natürlichen Lebensräumen sowie die Bewahrung und Wiederherstellung lebensfähiger Populationen von Arten in ihrer natürlichen Umgebung und - im Fall domestizierter oder gezüchteter Arten - in der Umgebung, in der sie ihre besonderen Eigenschaften entwickelt haben".
Näheres zur Ex-situ-Erhaltung erläutert der Artikel 9:
"Jede Vertragspartei wird, soweit möglich und sofern angebracht, in erster Linie zur Ergänzung der In-situ-Maßnahmen
? a) Maßnahmen zur Ex-situ-Erhaltung der Bestandteile der biologischen Vielfalt, vorzugsweise im Ursprungsland dieser Bestandteile, ergreifen;
? b) Einrichtungen für die Ex-situ-Erhaltung und die Forschung in bezug auf Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen, vorzugsweise im Ursprungsland der genetischen Ressourcen, schaffen und unterhalten;
? c) Maßnahmen zur Regenerierung und Förderung gefährdeter Arten sowie zu ihrer Wiedereinführung in ihren natürlichen Lebensraum unter geeigneten Bedingungen ergreifen;
? d) die Entnahme biologischer Ressourcen aus ihrem natürlichen Lebensraum für Zwecke der Ex-situ-Erhaltung so regeln und beaufsichtigen, daß Ökosysteme und In-situ-Populationen von Arten nicht gefährdet werden, es sei denn, daß besondere vorübergehende Ex-Situ-Maßnahmen nach Buchstabe c notwendig sind;
? e) bei der Bereitstellung finanzieller und sonstiger Unterstützung für die unter den Buchstaben a bis d vorgesehene Ex-situ-Erhaltung sowie bei der Schaffung und Unterhaltung von Einrichtungen für die Ex-situ-Erhaltung in Entwicklungsländern zusammenarbeiten.
Mit der AGENDA 21 haben sich die versammelten Staats- und Regierungschefs eine Sammlung von unverbindlichen Absichtserklärungen geschaffen. In der Einführung zum Kapitel 15 über die Erhaltung der biologischen Vielfalt heißt es unter 15.1.:
? ?Das vorliegende Kapitel der Agenda 21 ist in seinen Zielen und Maßnahmen darauf ausgerichtet, die Erhaltung der biologischen Vielfalt und die nachhaltige Nutzung der biologischen Ressourcen zu verbessern und das Übereinkommen über die Biologische Vielfalt zu unterstützen.?
Unter den Maßnahmen im Bereich des Managements heißt es unter 15.5 g):
 ?Im Zusammenwirken mit den einschlägigen Gremien der Vereinten Nationen und gegebenenfalls zwischenstaatlichen Organisationen und mit Unterstützung eingeborener Bevölkerungsgruppen und ihrer Gemeinschaften, nichtstaatlicher Organisationen und sonstiger Gruppen einschließlich der Wirtschaft und der Wissenschaft sowie im Einklang mit den Erfordernissen des Völkerrechts sollen die Regierungen im Einklang mit der nationalen Politik und den nationalen Gepflogenheiten auf der entsprechenden Ebene gegebenenfalls sofern erforderlich, Schritte zur Erhaltung der biologischen Vielfalt durch die In-situ-Erhaltung von Ökosystemen und natürlichen Lebensräumen sowie von Primitivsorten und ihren wildlebenden Verwandten und zu Bewahrung und Wiederherstellung lebensfähiger Populationen von Arten in ihrer natürlichen Umgebung ergreifen und Ex-Situ-Maßnahmen, vorzugsweise im Ursprungsland durchführen....?
Die Industrieländer haben ihre wirtschaftliche Entwicklung auf Kosten ihrer biologischen Vielfalt und der der Entwicklungsländer sowie zu Lasten zukünftiger Generationen betrieben. Damit der Erhalt von biologischer Vielfalt, die in den Entwicklungsländern viel größer als in den Industrieländern ist, nicht als Entwicklungshemmnis wirkt, sollen den Entwicklungsländern zum Erhalt von biologischer Vielfalt Finanzmittel zur Verfügung gestellt werden. Dies behandelt Artikel 21 CDB:
 ?Für die Bereitstellung finanzieller Mittel im Rahmen dieses Übereinkommens ... für die Vertragsparteien, die Entwicklungsländer sind, wird ein Mechanismus eingerichtet,... Der Mechanismus arbeitet für die Zwecke des Übereinkommens unter Aufsicht und Leitung der Konferenz der Vertragsparteien und ist dieser gegenüber verantwortlich.... Für die Zwecke des Übereinkommens bestimmt die Konferenz der Vertragsparteien die Politik, die Strategie, die Programmprioritäten und die Zuteilungskriterien für den Zugang zu solchen Mitteln und für die Verwendung...?.
Dieser Mechanismus ist die ?Global Environmental Facility (GEF)? und wurde als ein Ökofonds der Weltbank bereits 1989 eingerichtet. Seit 1995 werden etwa 40% aus diesem Fonds für die Finanzierung für Projekte vergeben, die die Konvention über die biologische Vielfalt betreffen. Nähere Einzelheiten z.B. über Umfänge, Laufzeiten, Vergabekriterien, Projektbeschreibungen sind zumeist unklar. Beobachtende Nicht-Regierungs-Organisationen werfen der Weltbank eine bewußte Vernebelungs-Strategie vor. Genaue Einzelheiten über den Einsatz von GEF-Mittel im malaysischen Nashorn-Projekt konnten nicht ermittelt werden (s. Kap. 5).
4. Die Nashörner innerhalb der orientalischen Säugetierfauna
Malaysia liegt im Herzen der Orientalischen tiergeographischen Region (Orientalis). Wie in anderen Regenwaldgebieten auch, finden wir unter den Zwergen ihre Riesen und unter den Riesen ihre Zwerge: Innerhalb der Tiergruppen mit geringer Körpergröße überwiegen große bis riesige Arten; innerhalb der Tiergruppen von großen Körpermaßen überwiegen kleine Arten bzw. deren Unterarten. So finden wir unter den Insekten und Tausendfüßern Riesenformen, unter den Säugern aber Zwergformen: Z.B. lebt hier (noch) die kleinste Art der rezenten Nashörner, der badak, der nur ein Höchstgewicht von 1.000 kg, etwa 1/4 des Gewichtes eines indischen Panzernashorns, erreicht.
Die Orientalische Region scheint das Ausbreitungszentrum sowohl der Rinder (Bovinae) mit etwa zehn Arten als auch der Hirsche (Cervidae) mit etwa 15 Arten zu sein. Mit den Hirschen verwandt sind die kleinen Kantschile, von denen zwei Arten in den malaysischen Wäldern leben. Die kleinere Art, der pelandok oder kancil (Tragalus javanicus), hat in den malaiischen Volksmärchen eine ähnliche vergleichbare Rolle wie bei uns der ?schlaue? Reineke Fuchs inne und taucht in der malaysischen Gesellschaft z.B. in Firmennamen und zu Werbungszwecken immer wieder auf, wo hingegen man dem badak kaum begegnet (s. KASTEN).
Das südostasiatische Festland war während der Kaltzeiten des Pleistozäns immer wieder über die Malaiische Halbinsel mit Sumatra, Java, den kleinen Sundainseln und Borneo landfest verbunden, so daß ein Faunenaustausch über Land stattfinden konnte. Tiergeographisch ist diese Region seit ihrer ersten wissenschaftlichen Bearbeitung durch Alfred Russel Wallace, der zeitgleich mit, aber unabhängig von Charles Darwin die Evolutionstheorie formulierte, rätselhaft geblieben. So wurde die ?Wallace-Linie? revidiert, später kam die ?Weber-Linie? hinzu, die ebenfalls revidiert wurde. Dies sind Faunengrenzlinien zwischen der vom asiatischen Festland eingewanderten südostasiatischen und der aus der australisch-ozeanischen Inselwelt stammenden Fauna. Der Badak ist offensichtlich zu einem sehr frühen Zeitpunkt nach Süden gewandert und hat Borneo erreicht, als dies noch Teil von Sundaland war. Dagegen ist er nie nach Java gelangt, wohl aber das Java-Nashorn, das wiederum aber Borneo nie erreichte. Der Tiger kam aber viel später hier an und breitete sich über Sumatra, Java bis Bali aus und hatte Borneo nie erreicht. Ob die Elefanten als natürliche Einwanderer nach Borneo gelangt sind oder von Menschen hier eingeführt wurden, ist nach wie vor ungeklärt. Ferner sind die Wälder der Orientalis auch noch für so manche Überraschung gut: Erst 1992(!) erfuhren wir von der Existenz des Zwergbüffels Pseudoryx in den Wäldern Vietnams.
Heute ist die Fauna der Orientalis überall gefährdet. Hier finden wir (noch) die seltensten Großsäuger unserer Erde (s. Tab. 2). Für z.B. den badak sumatra und den tenok oder badak cipan, den Schabrackentapir, stellt das Vorkommen hier ohnehin ein Refugium dar: Die Ahnen des Sumatra- Nashorns waren weit über Eurasien oder die des Schabrackentapirs von der Neotropis (tropisches Amerika) über die gesamte Holaktis (Nordamerika, Eurasien) bis Südostasien verbreitet. Seine nächsten Verwandten leben noch heute im tropischen Südamerika. Aus derartigen Prozessen wird manchmal der Schluß gezogen, das Aussterben gerade der Nashörner und Tapire sei vor allem ein natürlicher Prozeß, wodurch die menschliche Verantwortung für den Niedergang dieser beiden nah verwandten perissodactylen (unpaarzehigen) Huftierfamilien relativiert werden soll. Nashörner haben das traurige Image des Niedergangs der Tierwelt wie kaum eine andere Tiergruppe erlangt. Insgesamt leben heute weniger als 10.000 von ihnen in den Grassteppen und Savannen Afrikas, den Überschwemmungs-Grasländern südlich des Himalaya- Gebirges und den südostasiatischen Tiefland- und Gebirgs- Regenwäldern. Sumatra-Nashörner kommen heute noch eventuell in Birma, sicher in West-Malaysia, auf Sumatra und Sabah/Ost-Malaysia (Borneo) vor. Ihre Gesamtzahl dürfte zwischen 300 - 400 Tieren liegen. Die Festland-Populationen wurden früher als ?Rauhohr-Nashorn? von den Insel-Populationen taxonomisch getrennt; heute geht man allerdings von einer engeren Verwandtschaft zwischen den Festlands-Tieren und denen aus Sumatra aus. Bei den Tieren aus Borneo kann es sich um eine eigene Unterart handeln (ZAINAL pers. Mittlg.).
Der drastische Rückgang dieser urwüchsigen Riesen liegt aber keinesfalls an ihrem vermeintlich hohen evolutiven Alter, sondern liegt einzig und allein in der Verantwortung von Menschen. Weil für Nasenhorn, eine ähnliche Substanz wie unsere Fingernägel, in der traditionellen chinesischen - und neuerdings zunehmend in der esoterischen Medizin sowie als Statussymbol in Form von Dolchgriffen im Yemen - hohe Preise bezahlt werden, sind internationale Verbrecherbanden dabei, eine ganze Säugerfamilie auszurotten. Werden die Tiere in Ruhe gelassen, vermehren sie sich auch und können sogar Gebiete wieder besiedeln, aus denen sie von Menschen herausgeschossen worden sind. Dies beweist uns die Geschichte des südlichen grasfressenden - oder Breitmaulnashorns (Cerathorium simum simum), dem einzigen Nashorn, dem auch für das nächste Jahrtausend noch gute Überlebenschancen eingeräumt werden und das um die Jahrhundertwende bereits als ausgerottet galt: Wie fast alle großen Tiere des südlichen Afrikas wurde auch das grasfressende Nashorn von den weißen Siedlern nahezu völlig ausgerottet. Anfang dieses Jahrhunderts wurde allerdings noch eine kleine Population im Südosten Südafrikas entdeckt, die unter dem Schutz der Tsetsefliege (Schlafkrankheit des Menschen und seines Viehs) und der Anophelesmücke (Malaria) dem Gemetzel entronnen war. Weil zu diesem Zeitpunkt sich auch in Südafrika diejenigen durchzusetzen vermochten, die sich dem totalen Vernichtungskrieg gegen die Natur widersetzten, blieben diese Nashörner und ihre Nachfahren allen Menschen bis heute erhalten. Als die Verfolgung durch Menschen eingestellt worden war, haben sich die Tiere schnell wieder vermehren können. Seitdem stellt Südafrika sowohl afrikanischen Ländern Nashörner zur Wiederansiedelung als auch Ex-Situ-Erhaltungsstätten wie zoologischen Gärten zur Verfügung. Selbst in Kenya, wo einst die nördliche Unterart des grasfressenden Nashorns (Cerathorium simum cottoni) vorkam, grasen wieder Nashörner - aus Südafrika.
Die Bereitschaft, enorm hohe Preise für Nashornprodukte zu zahlen, hat internationale Verbrecherbanden auf den Plan gerufen, die den Markt beherrschen und durch Verknappung (sprich: Ausrottung der Nashörner) die Preise in die Höhe treiben wollen. Dies trifft eine Säugerfamilie, die bereits zuvor der Verfolgung zumeist westlicher Trophäenjäger ausgesetzt war. Andere mußten ihr Leben für ?wissenschaftliche Zwecke? lassen, um anschließend in irgendeinem naturkundlichen Museum als Dermoplastik zu enden. 1932 verschwand auf diese Weise das letzte kleine Panzer- oder Java-Nashorn (Rhinoceros sondaicus) aus den Tiefland- Regenwäldern des damaligen British Malaya. Heute gibt es auf dem asiatischen Festland nur noch eine sehr kleine Population im Süden Vietnams und eine größere im westlichsten Zipfel Javas. Überall, wo das Java- und Sumatra-Nashorn sympatrisch, also zusammen vorkamen, fand man das Java-Nashorn im Tiefland, während das Sumatra-Nashorn verstärkt in die bergigen Wälder kletterte. Auf Java, wo das Sumatra-Nashorn nie vorkam, stieg auch das Java-Nashorn in größere Höhen, wo es ein bestimmtes Gras weidete (BREHM 1927). Umgekehrt findet man heute das Sumatra-Nashorn auch in Tiefland-Regenwäldern wie z.B. in Endau-Rompin oder Sungai Dusun (Abb. 2), nachdem das Java-Nashorn hier ausgerottet worden ist.
Insgesamt ist über die Lebensweise von Sumatra-Nashörnern wenig bekannt. Nur wenn man großes Glück hat, bekommt man den dreizehigen Hufabdruck im feuchten Boden zu sehen, der dem des Tapirs nahezu gleicht. Tapirspuren haben eine Länge von etwa 15 - 16 cm, sind jedoch meist scharfkantiger als die des Nashorns, können aber leicht mit denen von Jungtieren verwechselt werden. Die Abdrücke erwachsener Nashörner sind jedoch mit 18 - 20 cm Länge deutlich größer als die der Tapire. Die Nashörner benutzen regelmäßig ihre Pfade und suchen immer wieder Schlammbäder und Salzlecken auf. Auch sie scheinen wie die anderen Arten auch, bestimmte Kotplätze über längere Zeit beizubehalten. Jedes Nashorn benötigt ein Areal von etwa 40 km2 Regenwald, worin es unermüdlich umherzieht, immer auf der Suche nach Nahrung. Diese besteht vor allem aus Blättern, Knospen, Zweigen und Rinden und vor allem dem Latex bestimmter Pflanzen. Genutzt werden die Teile vieler Pflanzenarten, nicht jedoch die der Dipterocarpaceae. Die Tiere leben solitär. Es kommt jedoch vor, daß bis zu drei Tiere Teile desselben Gebietes nutzen, allerdings nicht zur selben Zeit. Die beanspruchten Gebiete werden durch Horn reiben an Stämmen und mit Urin markiert, den sowohl Bullen als auch Kühe im weiten Bogen nach hinten wegzuspritzen vermögen.
In West-Malaysia kamen 1996 noch zwischen 40 und 50 Nashörner vor. Obwohl es keine Nachweise für Wilderei gibt, nimmt die Zahl der Nashörner ständig bedrohlich ab. Als 1964 im Norden des Bundesstaates Selangor das Reservat von Sungai Dusun eingerichtet wurde, lebten noch sieben Nashörner dort, jetzt ist es nur noch eine Kuh, die auch noch ständig das Reservat verläßt und sich im Gebiet mit starkem Holzeinschlag aufhält. Als das Gebiet von Edau-Rompin, das sich auf den Territorien der Bundesstaaten Johor und Pahang befindet, Mitte der achtziger Jahre nach Faunen- und Floren- Aufnahmen als Nationalpark vorgeschlagen wurde, lebten hier noch 20 - 25 Nashörner; heute sind es nur noch etwa drei bis fünf. Auch im größten malaysischen Nationalpark, dem Taman Negara, der sich auf den Territorien der Bundesstaaten Pahang, Kelantan und Terengganu befindet, leben noch etwa 20 Tiere. Die meisten Tiere scheinen noch außerhalb von Schutzgebieten in den Bergen des nördlichen Bundesstaates Perak herum zu klettern (ABDUL pers. Mittlg.). Überall macht ihnen einzig und allein die Wilderei zu schaffen, obwohl der neue Superindendant des Taman Negara mir versichert, daß es im Park keine Wilderei gäbe. Den Wilderern fallen vor allem Kühe, die Jungtiere führen, zum Opfer, weil die besonders standorttreu sind und wodurch das Überleben der Art besonders in Frage gestellt wird. Dagegen macht der Holzeinschlag - der besonders destruktive Kahlschlag wird in West-Malaysia nicht mehr praktiziert - den Tieren direkt nichts aus. Im Gegenteil: mit dem frischen Aufwuchs verbessert sich sogar ihr Nahrungsangebot, ein Grund, weshalb die Tiere die Reservate verlassen und bevorzugt in Einschlaggebiete wandern. Allerdings wird ihr Lebensraum durch Holzeinschlag auch für Wilderer leichter zugänglich, so daß die Gefährdung größer als der Nutzen sein dürfte.
Insgesamt sind die Überlebenschancen des kleinen doppelhörnigen Nashorns in den Wäldern Malaysias und Indonesiens schlecht. Deshalb werden neben In-Situ-Schutzmaßnahmen, der Erhalt natürlicher Lebensräume mit der entsprechenden Tier- und Pflanzenwelt, seit Mitte der achtziger Jahre verstärkt Ex-Situ-Maßnahmen in West- und Ost- Malaysia sowie in Indonesien durchgeführt. Nach Europa sind nur vereinzelt Sumatra-Nashörner gelangt: BREHM (1927) berichtet von einer Nashornkuh, die noch während ihres Transportes von Singapore nach England im letzten Jahrhundert ein Kalb warf. Nach guten Zuchterfolgen mit indischen Panzernashörnern zuerst im zoologischen Garten von Basel sollten auch Zuchtgruppen der beiden anderen asiatischen Nashornarten in Europa aufgebaut werden. Vom Sumatra-Nashorn konnten aber nur zwei weibliche Tiere gefangen werden, wovon ein Tier in Basel bald nach seiner Ankunft starb, das andere in Kopenhagen ein zwar langes, aber einsames Leben führen konnte.
5. Das malaysische Nashornprojekt
Träger des malaysischen Nashornprojektes ist das Department of Wildlife and National Parks, das die Sumatran Rhino Research Unit eingerichtet hat. Das Department untersteht dem nationalen Ministerium für Wissenschaft, Technologie und Umwelt. Analog zum nationalen Department unterhalten die Bundesstaaten eigene Departments, die für die Durchführung der Naturschutzbelange verantwortlich und dem nationalen untergeordnet sind. Die Sumatran Rhino Research Unit besteht aus 40 Wissenschaftlern, die
1. eine Bestandsaufnahme der Wildpopulation und deren Verteilung sowie
2. ein Ex-Situ-Zuchtprogramm durchführen sollen. Bei den Bestandsaufnahmen werden Nashorngebiete räumlich auf 10 Gruppen aufgeteilt, die das Gelände systematisch nach
? frischen Fußspuren
? frischen Kotplätzen und Urinstellen
? Horn-Markierstellen an Baumstämmen
? Fraßstellen
? Suhlen und Salzlecken
? und natürlich direkt nach Nashörnern absuchen.
Auch in Sabah (Ost-Malaysia/Borneo) läuft ein solches Programm, das in alleiniger Verantwortung Sabahs durchgeführt wird. Darüber hinaus unterhält auch Indonesien ein Sumatra-Nashorn-Erhaltungsprogramm. Aus West-Malaysia wurde je eine Kuh nach Indonesien und Thailand abgegeben und ein Bulle aus Indonesien 1988 bezogen, der aber kurz nach seiner Ankunft starb. Zwei Kühe erlagen einer Salmonellen-Infektion. 1996 befanden sich acht Tiere in diesem Programm an zwei Stellen in West-Malaysia (s. Tab. 3 und Abb. 1; 3 - 9). Die Sumatran Rhino Research Unit gehört der Asian Rhino Specialist Group der IUCN (International Union for the Conservation of Nature) an und bezieht seit 1995 Mittel aus der Global Environmental Facility (GEF).
Nach dem Kriterium der CBD Artikel 9, Absatz d (s. Kap. 3) werden nur solche Tiere gefangen, die durch ihre Nähe zu Menschen besonders gefährdet sind oder aber als Einzeltiere für die Reproduktion der Wildpopulation nicht mehr in Frage kommen. Der Fang erfolgt in Fanggruben, die sich im Vergleich zu Fanggehegen bewährt haben. Beim Fang gab es bisher keine Verluste. Die Gruben werden auf Holzfällerstraßen angelegt und oft fallen dort Elefanten, Tapire, Hirsche, Schweine oder gar Motorradfahrer hinein, bevor ein Nashorn gefangen ist (SAMSUDIN pers. Mittlg.).
1996 befanden sich drei Sumatra-Nashörner im zoologischen Garten von Melakka (s. mehr dazu Kap. 6) und fünf in der Station Sungai Dusun am Rande des Nashorn-Reservats. Der zoologische Garten Melakka wurde 1963; das Erhaltungszentrum für Sumatra-Nashörner Sungai Dusun 1991 gegründet. Das Personal besteht aus dem Leiter, einem Agrarwissenschaftler, und sechs Rangern, die nicht nur das 4.330 ha große Reservat kontrollieren, sondern auch noch die fünf Nashörner pflegen müssen! Bis zur Eröffnung der Station befanden sich alle Nashörner in Melakka, wo 1984 ?Jeram? (Abb. 3) als erstes Tier einzog. Am 23. Mai 1987 wurde hier das Kuhkalb ?Minah? geboren. Ihre Mutter ?Rima? wurde 1986 in Johor bereits tragend gefangen. Die Tatsache, daß das Jungtier voll ausgetragen wurde und gesund zur Welt kam, deutet darauf hin, daß Fang und Transport sehr schonend erfolgt waren. Insgesamt sind bisher mehr Kühe als Bullen gefangen worden (s. Kap. 3), was das Zuchtvorhaben bisher nicht begünstigt hat. ?Minah? ist das erste und bisher letzte Sumatra-Nashorn, das in Menschenobhut in diesem Jahrhundert zwar geboren aber nicht gezeugt wurde.
In den malaysischen Wäldern soll es eine Paarungszeit von Juli bis September geben. Unter Ex-Situ-Bedingungen ist es schwierig den richtigen Zeitpunkt einer Paarungsbereitschaft von Kuh und Bulle ausfindig zu machen. Ein Fehler kann dazu führen, daß der Bulle die Kuh tötet. Aus Kotproben wird in Malaysia der Progestosteron-Spiegel der Kühe ermittelt und graphisch dokumentiert. Diese Werte werden mit Hilfe von Blutwerten kontrolliert. Auf diese Weise konnte bei ?Minah? ein Zyklus von 21 Tagen ermittelt werden (ZAINAL pers. Mttlg.). Kürzlich haben HEISTERMANN et al. (1998) den Pfad und die Verteilung von radioaktiv markiertem Oestradiol und Progesteron bei einer Nashornkuh aus dem indonesischen Programm näher untersucht, die Steroid-Hormon-Metaboliten im Urin und Kot identifiziert und die Möglichkeiten erforscht, über die Verteilung von ausgeschiedenem Östrogen und Progestin den Östrus eines Tieres zu bestimmen. Während Oestradiol hauptsächlich über den Urin ausgeschieden wird, fanden die Reproduktionsbiologen Progestosteron-Metaboliten ausschließlich im Kot des Tieres. Die Ergebnisse weichen z.T. von denen bei beiden afrikanischen und dem indischen Nashorn erheblich ab, so daß Übertragungen von diesen auf Sumatra-Nashörner nicht möglich sind. Darüber hinaus ermittelten sie eine Östrus-Zyklus-Länge von 25 Tagen, was sich mit Verhaltensbeobachtungen deckt. SAMSUDIN, der Leiter der Station in Sungai Dusan, möchte es den Tieren weitgehend selbst überlassen, wann sie zusammen möchten und wann nicht. Er hat gerade ein neues 10 ha Gehege im Sekundärdschungel eröffnet in das zunächst die Kuh ?Rima?, die sich ja bereits als zuchtfähig erwiesen hat, gelassen wird (s. Abb. 4). Zu einem späteren Zeitpunkt soll ihr der Bulle folgen. Bei den großen Ausweichmöglichkeiten wird erwartet, daß es nicht zu gefährlichen Begegnungen zwischen den Tieren kommen wird.
Neben der Reproduktionsbiologie stellt auch die Ernährung ein Problem dar, das nicht ausreichend und zufriedenstellend gelöst ist und mit für das bisherige Ausbleiben des Reproduktionserfolges verantwortlich gemacht wird. Die Sumatra-Nashörner und Tapire scheinen sich ausschließlich von Blättern, Knospen, Zweigen, Rinden und dem Latex einer Vielzahl von Pflanzen der südostasiatischen Regenwälder zu ernähren, wobei sie die dominante Familie der
Dipterocarpaceae jedoch meiden sollen (s. Kap. 4). So ist es ernährungsphysiologisch schon verwunderlich, wie derartig große Tiere mit einer solchen nährstoffarmen Nahrung überhaupt auskommen können. Jedoch ist davon auszugehen, daß sie im Freiland eine große Vielfalt von Pflanzen zu sich nehmen. In den Ex-Situ-Stationen stehen den Tieren Laub von zumeist nur vier Baumarten zur Verfügung, darunter Ficus, Makaranga und Arctocarpus (Jackfruit), das von Händlern bezogen wird. Den fünf Tieren in Sungai Dusun werden täglich etwa 100 kg frische Blätter zur Verfügung gestellt. Außerdem werden Bohnen, Kartoffeln und Obst wie Bananen und Papaya gefüttert. Zusätzlich erhalten die Tiere pelliertes Fertigfutter für Schweine und Rinder. Die Fütterung erfolgt dreimal täglich: Morgens um 8.00 h und abends um 17.00 h erhalten die Tiere Blätter, mittags zwischen 11.00 und 12.00 h Pellets, Blätter, Obst und Gemüse. Die Fütterungen erfolgen stets im Nachtstall, um möglichst nahe an die Tiere heranzukommen und sie inspizieren zu können. Ganztägig stehen ihnen Wasser und Salzlecksteine zur Verfügung.
6. Die zoologischen Gärten in Melakka, Kuala Lumpur und Singapore
Die zoologischen Gärten Melakka, Kuala Lumpur und Singapore sind die größten zoologischen Einrichtungen auf der Malaiischen Halbinsel. Sie haben andere Prioritäten und Konzepte und verfügen über sehr unterschiedliche Finanzmittel. Zwischen diesen Einrichtungen besteht ein intensiver Austausch. Melakka ist eine der bedeutendsten Ex-Situ-Erhaltungsstätten für den Indochina-Tiger (Panthera tigris corbetti) und hat Tiere nach Singapore abgegeben. In Europa befindet sich nur ein Paar im Tierpark Berlin aus dem Zoo Singapore, die auf die Zucht in Melakka zurückgehen. Der Zoo Sinpagore wiederum beliefert die anderen z.B. mit afrikanischen Wildboviden. Wegen seiner zentralen Rolle für Ex-Situ-Maßnahmen des west-malaysischen Department of Wildlife and National Parks finden wir nur in Melakka Sumatra-Nashörner als dem einzigen Ort auf der Malaiischen Halbinsel, wo die Tiere öffentlich zugänglich sind (Abb. 5). Kuala Lumpur stellt eher den klassischen Zootyp dar, der seinen Besuchern einen guten Überblick über die landlebenden Wirbeltiere vermitteln möchte und dokumentiert damit einen Entwicklungsschritt von Zoogeschichte, wie er für die meisten großen europäischen Zoos bereits abgeschlossen ist.
Der zoologische Garten Melakka wurde 1963 nach der Gründung des jungen Staates Malaysia in seiner jetzigen Form von der Staatsregierung Melakkas eröffnet. Heute untersteht er dem Department of Wildlife and National Parks, und zwar je zur Hälfte sowohl dem nationalen als auch dem bundesstaatlichen, von denen er auch jeweils zur Hälfte finanziell getragen wird. 1995 wurde der Park von etwa 400.000 Menschen besucht. Er ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Im Zoo kann man ?modernes? Fastfood und traditionelle Köstlichkeiten der malaiische Küche für wenig Geld erstehen. Der Zoo liegt 13 km außerhalb von Melakka, ein kleines Stück Restregenwald (?recreation forest?) befindet sich in unmittelbarer Nähe, ein mehr oder weniger dichter Sekundärwald in seiner Mitte. Auf einer Fläche von knapp 22 ha leben über 1.300 Tiere in etwa 220 Arten. Darunter befinden sich vor allem malaysische Tiere: Die gesamte Großtierfauna des Landes ist hier vertreten. Der Zoo ist Mitglied in der South-East-Asia-Zoological-Park-Association (SEAZPA) und im internationalen Zoodirektoren-Verband (International Union of Directors of Zoological Gardens). So wurde z.B. im Oktober 1996 in Melakka ein internationales Symposium über die Erhaltungszucht von Indochina Tigern (Panthera tigris corbetti) ausgerichtet.
Der Zoo beschäftigt 64 Personen, davon jedoch nur sechs Frauen. Sie sind als Schreibkräfte oder Kartenverkäuferinnen tätig. Hinter den Pflegern (41) stellt die Verwaltung die meisten Arbeitskräfte (zwölf), gefolgt von den Veterinären (acht) und drei Männern für die Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Die Veterinäre sind die einzigen Angestellten mit akademischer Ausbildung. Der Direktor reiht sich in die Gruppe der Verwaltungsangestellten ein. Damit stehen durchschnittlich ein Pfleger für 32 und ein Veterinär für 162 Tiere bereit. Direktor NAWAYAI ist am Tausch von Tieren interessiert, nicht am Verkauf. Er meint, Tiere seien keine Ware. Er möchte neben der malaysischen Fauna auch verstärkt Tiere anderer Regionen im Tausch erwerben. Von ihnen sind vor allem afrikanische Großtiere wie Giraffen, Steppenzebras und verschiedene Hornträger vertreten. Aus Indien befindet sich eine große Zuchtgruppe von Nilghais (Boselaphus tragocamelus) im Bestand.
Der Zoo ist die erste und zentrale Einrichtung für Ex-Situ-Maßnahmen Malaysias, etwas ähnliches gibt es in Deutschland nicht. Beschlagnahmte oder verwundete Wildtiere wie etwa der Tigerkater ?Pucong?, der am 5. Februar 1987 in Selangor aus einer Drahtschlinge befreit wurde, werden nach Melakka überstellt. Hier wurde das Ex-Situ-Programm für Sumatra-Nashörner begonnen: Zwischen 1984 und 1991 lebten hier zeitweise bis zu sieben Tiere. Heute ist Melakka der einzige Ort auf der Erde, wo man die kleinste (badak sumatra) neben der größten Nashornart (badak putih) bewundern kann.
Neben den Zootieren trifft man regelmäßig tupaia-artige Hörnchen überall im Zoo an. Mindestens eine Gruppe der meerkatzenartigen Javaner-Makaken (Macaca fascicularis) und eine Gruppe von Brillenlanguren-Weibchen mit Jungen und einem erwachsenen Männchen sowie eine Männchen-Gruppe (Preybytes obscurus) halten sich regelmäßig ?ex-situ? im Park auf. Neben verschiedenen Vogelarten kann man auch z.T recht große Warane (Varanus salvator) hier entdecken.
Der zoologische Garten von Kuala Lumpur wurde ebenfalls 1963 und zwar als ?Nationalzoo? (Zoo Negara) auf einem Gelände von zunächst nur 2 ha, inmitten einer Gummibaum-Plantage und umgeben von Sekundärdschungel eröffnet. Wie Kuala Lumpur selbst wurde der Zoo buchstäblich in den Dschungel gehauen und mittlerweile auf 62 Hektar erweitert. Bis heute meldet sich der Dschungel nicht nur in Form tropischer Niederschläge, sondern auch von Netz-Pythons und Palmrollern zurück, denen noch immer hin und wieder vor allem Vögel zum Opfer fallen. Der Zoo liegt 12 km außerhalb der Innenstadt und ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Zu 78% finanziert sich der Zoo Negara aus Eintrittsgeldern, der Rest aus Kapitaleinkünften wie Vermietungen. Zuschüsse von der Zentralregierung sind äußerst gering. Die Besucher können zwischen einem Kentucky Fried Chicken Restaurant auf einer Insel eines idyllischen Sees und malaiischen Mahlzeiten, die im Fast-Food-Stil angeboten werden, wählen. Hawker-Stände gibt es außerhalb des Zoos, die aber auf dem Zoo eigenen Parkplatz nicht geduldet werden. Im Garten wird neben den Tieren auch die malaysische Flora gepflegt. Ende 1995 wurden insgesamt 3.965 Tiere in 436 Arten gezeigt, wovon 2.248 Fische in 130 Arten waren.
Träger ist die ?Malaysian Zoological Society?, eine private Einrichtung, in deren Komitees aber viele Personen des öffentlichen Malaysia mitwirken. Sie gibt Jahresdokumentationen und die vierteljährliche Zeitschrift ?Berita Zoo Rama? heraus, die an Mitglieder und Interessierte verteilt wird. Die Gesellschaft beschäftigte Ende 1995 61 Personen im Zoo, wovon zehn Frauen waren. Davon arbeiteten je eine Frau als Tierpfleger-Vorarbeiterin für Vögel, eine war verantwortlich für die Bildungsarbeit und als PR-Assistentin; die anderen als Sekretärinnen und Eintrittskarten- Verkäuferinnen. Die größte Gruppe ist mit 33 Arbeitskräften in der Tierpflege beschäftigt, gefolgt von zwölf - einschließlich Direktor - Verwaltungskräften, gefolgt von vier Dompteuren für Seelöwen und Elefanten; in der Tierklinik und für die Instandhaltung der Einrichtungen sind je drei Arbeitskräfte vorhanden; je zwei in der Futtermeisterei und für Public Relation und jeweils eine Arbeitskraft für Bildung sowie Gartenpflege. Die Gartenarbeiten selbst werden von Kontraktarbeiterinnen und - arbeitern ausgeführt. Für etwa 60 Land-Wirbeltiere (Säugetiere, Vögel und Reptilien) steht durchschnittlich ein Pfleger bereit. Von der malaysischen Großsäuger-Fauna werden Orang-Utan (Pongo pygmaeus), Siamang (Symphalangus syndatylus) sowie einige andere Gibbonarten (Hylobates spec.); Nebelparder (Neofelis nebulosa) und Indochina-Tiger (Panthera tigris corbetti); asiatischer Elefant (Elaphus maximus) und Schabrackentapir (Tapirus indicus) sowie Bartschwein (Sus barbatus), Muntjak (Muntiacus muntjak), Sambarhirsch (Cervus unicolor) und Serow (Naemorhedus sumatrensis) gehalten. Der Schwerpunkt liegt allerdings nicht auf der malaysischen Fauna. So sind neben Indochina - auch Bengal- (P.t.tigris) und Sumatra-Tiger (P.t.sumatrae) sowie afrikanischer (Panthera leo leo) und Indischer Löwe (P.l.persica) vorhanden. Neben Malaiischen Sonnenbären (Helarctos melayanus) sind auch nordische Arten wie Braunbär (Ursus arctos) sowie nordamerikanischer - (U. americanus) und asiatischer Baribal (Selenarctos thibetanus) zu sehen. Die dressierten kalifornischen (Zalophus californianus) und patogonischen Seelöwen (Otario byronia) sind eine ganz besondere Besucherattraktion.
Großer Bedeutung wird der afrikanischen Huftierfauna entgegengebracht. Im Sommer 1995 wurde ein 2,5 ha großes Africanum für Steppenzebras (Equus quagga), Kap-Giraffen (Giraffa camelopardis giraffa) und vor allem Hornträger (Bovidae) eingerichtet (FREDERICKS 1995). Mit Südafrikanischen Spieß- (Oryx gazella gazella), Springböcken (Antidorcas marsupialis) und Impalas (Aepyceros melampus) konnten Buschböcke (Tragelaphus scriptus) und Rappenantilopen (Hippotragus niger) z.Zt. meines Besuches nicht zusammengewöhnt werden. Sie befanden sich meist in den Nachtställen hinter der Freianlage, die für Besucher nicht zugänglich ist. Geplant ist, drei weitere Arten, nämlich Bleßbock (Damaliscus dorcas phillipsi), Tiefland Nyala (Tragelaphus angasi) und Nordafrikanische Spießböcke (Oryx gazella dammah) einzugewöhnen (NAIM pers. Mittlg.). Neben dieser Anlage befindet sich die für grasfressende Nashörner (Cerathorium simum simum), von denen ein Paar im Tausch gegen den laubäsenden Nashorn- (Diceros bicornis) Bullen ?Farouk? aus einer südafrikanischen Game Farm in den Bestand übernommen wurde (RAMLI 1995). Z.Zt. meines Besuches befanden sich drei Nashörner im Zoo Negara, wovon nur ein Paar zusammen gehalten wurde. Ebenfalls ans Africanum angegliedert, befindet sich je ein Pool für Fluß- (Hippopotamus amphibius) und Zwergflußpferde (Choeropsis liberiensis).
Der jüngste der drei großen zoologischen Gärten der Malaiischen Halbinsel eröffnete seine Tore am 27. Juni 1973 im nördlichen Teil der Hauptinsel neben dem mit natürlicher Sekundärvegetation umsäumten Wasserservoire. Träger ist die ?Singapore Zoological Gardens? Aktiengesellschaft. Die Leitung unterhält intensive Kontakte vor allem zu anderen asiatischen Einrichtungen, aber auch nach Europa und Nordamerika. Zwischen Singapore und dem Tierpark Berlin findet z.B. ein regelmäßiger Austausch von Tieren statt. Auf einer Fläche von 28 ha werden über 1.800 Tiere in etwa 200 Arten ausgestellt. Am 3. Mai 1994 wurde neben dem Zoo auf einem Gelände von 40 ha die ?nigth safari? eröffnet, die bereits ein Jahr später mit dem ?ASEAN Tourism Association (ASEANTA) Award? als beste neue touristische Attraktion der ASEAN-Staaten ausgezeichnet wurde. Bei Dunkelheit kann man zu Fuß oder mit einer kleinen Bahn an die 1.000 Tiere in etwa 100 Arten bewundern und einen Eindruck vom tropischen Regenwald bei Nacht bekommen. Mondscheinartige Beleuchtungen für die Gehege machen dies möglich. Der größte Teil tropischer Säugetiere ist nachtaktiv. Für den Besucher ist der Rundgang bei Nacht angenehmer als am feucht-heißen Tag; mehr als zwei Millionen besuchen Zoo und Nightsafari jährlich mit zunehmender Tendenz. Beide Einrichtungen sind leicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Am Eingang zur Nightsafari stehen den Besuchern verschiedene Kioske, im Park ein Restaurant zur Verfügung. Im Zoo gibt es u.a. einen Hawker-Stand, wo man malaiische Gerichte zu sich nehmen kann. Die Zoo AG gibt zwar eine Menge an Pressematerialien und jährliche Berichte heraus, die allerdings stark für PR Zwecke ausgerichtet sind und keine mit den beiden malaysischen Zoos vergleichbaren Daten über die Beschäftigungsverhältnisse enthalten.
Der Tierbestand und die Art der Präsentation sind jedoch einzigartig (s. Abb. 8). Offensichtlich treffen hier gute tiergärtnerische Ideen mit guter finanzieller Ausstattung zusammen. Schon deshalb lohnt sich ein Besuch der ehemaligen Pirateninsel! Nirgendwo auf der Erde leben Eisbären so nah am Äquator wie in Singapore und pflanzen sich noch dazu sogar fort. Eine weitere Besonderheit ist eine spezielle Haltungseinrichtung für Tiere, die vorübergehend aus anderen Zoos hier ausgestellt werden. So konnten die Besucher im Singapore Zoo in der Zeit vom 27. Januar bis zum 16. Juli 1995 ein Paar der seltenen Goldstumpf-Nasenaffen (Rhinopithecus roxellanae) aus dem Pekinger Zuchtzentrum für vom aussterben bedrohte Tierarten bereits zum zweiten Mal bewundern. Zoo und Nightsafari sind tiergeographisch ausgerichtet: Der Zoo ist eher nach Großregionen gegliedert, die Nightsafari umfaßt acht enger begrenzte tiergeographische Bezirke wie etwa das Himalaya-Vorgebirge mit fünf verschiedenen Wildziegenarten u.a. dem Goral (Nemorhaedus goral) sowie die nepalesischen Flußtäler mit acht Säugetierarten wie dem indischen Panzernashorn (Rhinoceros unicornis), dem Arnee-Wildbüffel (Babulis babulis) oder dem indischen Sumpfhirsch (Cervus duvauceli) sowie 16 Vogelarten und dem Ganges-Gavial (Gavialis gangeticus). Neben der asiatischen Fauna sind auch Tiere der offenen afrikanischen Landschaften und der südamerikanischen Pampa ausgestellt.
Während in der Nightsafari die Säugetiere in arteigenen Gruppen - allenfalls mit bestimmten Vogelarten vergesellschaftet - gehalten werden, finden wir im Zoo viele gemischte Tiergruppen. Dies ist immer mit Risiken verbunden, weil es vor allem zwischen männlichen Tieren zu zwischenartlichen Kämpfen kommen kann, die nicht selten für einen der Kombattanten Todesfolge haben. Dem kann man u.a. damit begegnen, indem man Tiere mit völlig verschiedenen Raumansprüchen wie z.B. Kleideraffen (Pygathrix nemaeus) und Muntjaks (Muntiacus muntjak) zusammen hält. Gemischte Gruppen beleben den Tagesablauf für die Tiere, die in zoologischen Gärten oft unter langer Weile leiden. Eine originelle Mischung stellt die Zusammenhaltung der grasfressenden Nashörner (Ceratotherium simum simum) mit einer Zuchtgruppe von Elen-Buschrindern (Taurotragus oryx livingstonei) dar (s. Abb. 9). Für das erste am 26. Mai 1996 in Asien geborene südafrikanische Nashorn ist die Anwesenheit der Buschrinder offensichtlich eine willkommene Bereicherung.
7. Ausblick
Malaysia hat wegen seines Umgangs mit seinen Tropenwäldern und den darin und davon lebenden Menschen bei uns ein schlechtes Image. International wird Malaysia Rücksichtslosigkeit gegenüber seinen Stammesvölkern vor allem in Ost-Malaysia vorgeworfen. Große Staudamm-Projekte wie am oben erwähnten Bakun, das u.a. mit westlichem Know how und Kapital verwirklicht werden sollte, haben nationale und internationale Proteste heraufbeschworen. Internationale Kritik und Proteste hat die Regierung früher u.a. veranlaßt, auf die Umweltprobleme in den westlichen Ländern hinzuweisen, aus denen die lautesten Proteste zu hören waren. Bedenkt man, daß Malaysia fast doppelt soviel Fläche unter Naturschutz gestellt hat, wie z.B. Deutschland, erscheinen solche Hinweise durchaus gerechtfertigt (s. Tab. 1). Auch beim Vergleich der Ausrottungsrate großer Säugetiere kommt Deutschland gegenüber Malaysia bedenklich schlecht weg (s. Einführung, Kap. 4 und Abb. 10).
Zumindest von offizieller deutscher Seite besteht überhaupt keine Veranlassung Malaysia wegen seiner Naturschutz-Politik etwas vorzuwerfen: Die neue deutsche Regierung sieht sich nicht in der Lage, das Bundesnaturschutzgesetz zu novellieren und die Blockade durch das ?Landwirteprivileg? aufzuheben, wonach natur- und umweltpflegende Maßnahmen extra vergolten werden müssen, anstatt wieder nach Artikel 14, Absatz 2 GG (?Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.?!) zu verfahren und die Landwirtschaft in den konstruktiven Naturschutz einzubinden. Gerade hat die EU-Kommission Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland eingereicht, weil sie noch immer eine EU-Naturschutz-Richtlinie (FFH) nicht in nationales Recht umgesetzt hat. Naturschutz ist auch für die unsere neue ?sozial-ökologische? Regierung kein Thema, und eine nationale Strategie zur Erhaltung der biologischen Vielfalt wird auch von ihr Regierung nicht in Angriff genommen.
Vor diesem Hintergrund steht Malaysia naturschutzpolitisch keinesfalls schlechter da als Deutschland. In der Rhetorik gleicht die malaysische Politprominenz der unseren, wenn Premierminister Mahathir von dem ?gelungenen Ausgleich zwischen Ökonomie und Ökologie? in seinem Lande schwafelt und sich ?mit ein bißchen Natur? schmückt, indem er Namensgeber für das erste in Menschenobhut geborene Sumatra-Nashorn wird.
Ein Kriterium für die Ernsthaftigkeit malaysischer Naturschutzpolitik könnte das Schicksal des Badaks sein. Malaysia hat die finanziellen und administrativen Mittel, dem Nashorn eine Zukunft in seinen Wäldern zu geben. Wenn man jedoch die Petronas-Türme in Kuala Lumpur der regierungseigenen Ölgesellschaft und die mageren Einrichtungen des Sumatra-Nashorn Erhaltungszentrums in Sungai Dusun mit einander vergleicht, wird deutlich, wo hier die Prioritäten liegen. Mit dem Badak ließen sich auch konstruktiv ?asiatische Werte? betonen, denn in Malaysia wurden bisher weit weniger Großtiere völlig ausgerottet als z.B. in Deutschland. Darüber hinaus könnte der Badak auch das nationale Selbstbewußtsein stärken, schließlich ist er nicht auf das Verhalten von Aktionären, Börsenmaklern und Spekulanten angewiesen. Ein Erfolg des nationalen Nashornprojektes könnte den Konflikt zwischen den kapitalistischen und den Entwicklungsländern sogar entschärfen und würde die Motivation für Naturschutzmaßnahmen in der malaysischen Gesellschaft vergrößern. Hierzu müssen aber die Akteure in die Lage versetzt werden, durch Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit dem Nashorn in der Gesellschaft einen Platz einzuräumen. So könnte das Nashorn viel identitätsstiftender sein als z.B. das ?National Car Project?, wofür immer noch entscheidende Teile aus Japan importiert werden müssen. Gegenüber dem motorisierten Straßenverkehr, dem 1995 über 5.000 Menschen (bei 18 Millionen Einwohnern) zum Opfer fielen, glänzt das Nashorn auch noch wegen seiner Friedfertigkeit.
All dies würde aber einen Politikwechsel bedeuten: Die In-Situ-Erhaltung des Nashorns ist nur mit den Stammesvölkern zu machen; denn ohne ihre Hilfe wären Wilderer wenig erfolgreich. Solange aber ihr Lebensraum weiter zerstört und ihrer Lebensweise gegenüber kein Respekt aufgebracht und ihnen ein fester Platz innerhalb der malaysischen Gesellschaft vorenthalten wird, werden sie die nützlichen Idioten der Wildererbanden bleiben. Die Menschen können in friedlicher Koexistenz mit dem Nashorn leben: Der Erhalt seines Lebensraumes kommt letztendlich allen Menschen zugute - das Nashornpulver dagegen nur wenigen Reichen, die auch noch dazu betrogen werden, weil seine heilsamen Wirkungen überhaupt nicht erwiesen sind. Im Süden Sumatras wurde ein Nashorn entdeckt, das in einem Agroforst sein Schlammbad eingenommen hatte (SIBUEA 1995). Das Nashorn kann mit uns Menschen in friedlicher Koexistenz leben. Die Menschen aber müssen dies wollen und politisch durchsetzen.
8. Danksagungen:
Der Artikel geht auf eine Reise nach West-Malaysia im Sommer 1996 zurück. Dort wurden Gespräche mit verschiedenen Wissenschaftlern der Sumatran Rhino Research Unit geführt und Sumatra-Nashörner im Ex-Situ-Programm beobachtet. Herrn Dr. Zainal Zahari B. Zainuddin verdanke ich Informationen über die Nashornhaltung in Melakka und Herrn Mohd. Samsudin Mohd Suri in Sungai Dusun. Herr Abdul Kadir Abu Hashim gab mir bereitwillig Auskünfte über die Verbreitung und Populationsentwicklung des Nashorns in West-Malaysia. All diese Kontakte vermittelte Herr Jasmin b. Abdul, der Leiter der wissenschaftlichen Abteilung des Department of Wildlife and National Parks in Kuala Lumpur. Einzelheiten über den zoologischen Garten Melakka erfuhr ich im Gespräch mit Herrn Direktor Mohd. Nawayai B. Yasak und im zoologischen Garten Kuala Lumpur waren der Verwaltungsleiter Herr K. Rajasundram und der Säuger-Kurator Herr Dr. Mat Naim Haji Ramli meine Gesprächspartner. Herrn Rajasundram verdanke ich auch die Dokumentationen und die aktuellen Ausgaben der Zeitschrift der Malaysian Zoological Society. In Singapore schließlich versorgte mich Frau Maya Mathias mit wertvollen Informationen. Frau Dr. Lydia Kolter (zoologischer Garten Köln) machte mich sowohl auf eine internationale Konferenz über Indochina Tiger in Melakka als auch auf die reproduktionsbiologischen Untersuchungen über Sumatra-Nashörner von Herrn Prof. Dr. Hodges (Deutsches Primatenzentrum) aufmerksam. Herr Prof. Hodges stellte mir ein entsprechendes Manuskript vor Veröffentlichung freundlicherweise zur Verfügung. In Penang traf ich mit verschiedenen Vertreterinnen und Vertretern von Menschenrechts- und Umweltorganisationen zusammen. Über den UNCED-Nachfolgeprozeß aus malaysischer Sicht sprach ich mit Herrn T. Rajamoorthy vom Third World Network. Über den Stand der Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes und die Nichtumsetzung der FFH-Richtlinie informierte ich mich bei Herrn Claus Maier (Naturschutzbund Deutschland). Allen hier genannten und nicht genannten Personen sei herzlich gedankt.
9. Literatur:
BREHM, Alfred Edmund (1927): Brehms Tierleben2: 10. Nashörner, Wien, Hamburg, Budapest, Zürich
Bundesamt für Naturschutz (BfN) (1997): Erhaltung der biologischen Vielfalt - Wissenschaftliche Analyse deutscher Beiträge, Bonn
CHEE, Yoke Ling (1990): Landrechte und Walderhaltung - Der Kampf der Stammesvölker Malaysia; ARA (ED): ?Naturerbe? Regenwald - Strategien und Visionen zur Rettung der tropischen Regenwälder, ökozid 6: 149 - 163, Gießen
CUBITT, Gerald & Junaidi PAYNE (1994): Malaysai - Tiere und Pflanzen der Inselwelt, Dtsch. Ausgabe Augsburg
DAUTH, Jürgen (ED/1991): Malaysia mit Brunei und Singapur - Ein Reisebuch, Hamburg
FREDERICKS, Andora (1995): African Antilopes graze Zoo Negara, Berita Zoo Rama 1&2/95: 12f
HEISTERMANN, M., AGIL, M., BÜTHE, A. und J.K. HODGES (1998): Metabolism and excretion of oestradiol-17b and progesterone in the Sumatra rhinoceros (Dicerorhinus sumatrensis), Animal Reproduction Science no. 1792 (Manuskript)
MÖNNINGHOFF, Wolfgang (1998): Hainisch - Reihe Dtsch. Nationalparks Bd. 9, Berlin
RAMLI, Salmah (1995): Farewell Farouk!, Berita Zoo Rama 3/95: 6f
SIBUEA; Tulus T.H. (1995): Tame agroforests - havens for wild animals; Agroforestry today: 7(2).18f.
STECKER, Bernd (1996): Ökotourismus: Potential für Schutz und nachhaltige Nutzung der Tropenwälder - Eine Fallstudie aus den Nationalparks Taman Negara und Endau-Rompin in Malaysia, Reihe Tropenökologisches Begleitprogramm (TÖB) der GTZ, Eschborn
KASTEN: Malayisches Märchen:
Den Badak, das doppelhörnige - oder Sumatra-Nashorn findet man nicht in der malaysischen Öffentlichkeit. Weder gibt es Briefmarken, Firmen- oder andere Embleme mit ihm noch eine wie auch immer geartete Öffentlichkeitsarbeit: Der Badak hat noch keine Lobby in der malaysischen Gesellschaft gefunden. In malaiischen Märchen kommt der pelandok, der Kleinkantschil, immer wieder als listiger kleiner Kerl vor. Den Badak konnte ich nur in einem Märchen entdecken. In dem Märchen werden die malaiischen Tiernamen mit den deutschen in Klammern verwendet.
Der pelandok im Loch, ein malaiisches Märchen:
Eines Tages ging der pelandok [Kleinkantschil] in den Dschungel spazieren und fiel dabei in eine tiefes Loch. Er konnte nicht wieder herauskommen.
Nach einer Weile kam der seladang [Gaur] nach dem Loche, und als er den pelandok erblickte, sagte er: ?Na, pelandok, was machst Du denn da?? - ?Oh?, antwortete der pelandok, ?ich besuche hier nur meine Mutter, meinen Vater, meine Schwestern und Brüder.? - ?Warte einen Augenblick?, sagte der seladang, ?ich komme herunter, denn ich möchte meine Eltern und Geschwister sehen.? Doch der pelandok bat den seladang nicht herunter zu kommen. Darauf erwiderte der seladang, wenn es dies noch einmal sagen würde, ließ er sich von oben auf ihn fallen, und dann müßte der pelandok sterben. Da erlaubte der pelandok dem seladang hinabzusteigen, und der seladang kam herunter. Als er unten war, fragte er den pelandok: ?Sag', wo find ich denn meine Eltern?? - ?Warte ein Weilchen?, versetzte der pelandok, ?ich habe sie gerade im Augenblick aus den Augen verloren.? Der seladang wartete, und nach einiger Zeit erschien der badak [Sumatranashorn] am Loche und erkundigte sich, was sie da machten. Der pelandok antwortete wie vorher, daß er sich freute, seine Eltern sehen zu können, außerdem wären auch eine Menge Schafe unten. Darauf begab sich auch der badak nach unten. ?Denn?, sprach er, ?mein Vater und meine Mutter sind tot, und ich würde sie gern sehen und mich bei ihnen erkundigen, ob sie wieder lebendig geworden sind.? Dann kam der rusa [Sambarhirsch] und fragte, was sie da machten. Und der pelandok erwiderte, daß er seine Eltern besuchte, und daß viele Leute sich da unten zu einer Reise rüsteten. Darauf sprang auch der rusa herunter. Hernach kam der kijang [Muntjak], und als er vom pelandok dieselbe Antwort erhalten hatte, stieg er ebenfalls hinab.
Da nun die anderen Tiere, eines auf dem Rücken des anderen, standen, der seladang ganz unten, der kijang oben, vermochte der pelandok von des einen auf den anderen Nacken zu hüpfen und so aus dem Loche herauszukommen.
Als er draußen war, traf er einen Jäger mit seinem Hunde. Der Hund setzte sogleich hinter dem pelandok her. Der lief nach dem Loche, rannte dort ein-, zweimal herum und machte dann, daß er fortkam. Der Hund aber folgte dem Geruche des pelandok, kam nach dem Loch, und als er dort den seladang und die übrigen Tiere sah, machte er Halt und bellte. D'rauf kam der Jäger und tötete sie allesamt. Nur der pelandok war entronnen. |