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(Artikel * 1997) N.N.
Brasiliens bleierne Jahre. Film: "O que é isso, companheiro?" Die guerilleros sind müde.
in Blätter des iz3w Nr. 223 * Seite 36
Themen: Politik; Diktatur; Guerilla; Brasilien; Diskution: Auflöser ist der Film: "O que é isso, companheiro?" * Dok-Nr: 47465
Soziokultur

Brasiliens bleierne Jahre
O que é isso, companheiro? (Die Guerilleros sind müde)
Regie: Bruno Barreto, Brasilien 1996

von Eugênio Barreto


Nach Jahren des Vergessens diskutiert Brasilien seine bleiernen Jahre, den bewaffneten Kampf und die Repressionen der Militärdiktatur. Auslöser ist der Film »O que é isso, companheiro!« (wörtlich: Was ist das denn, Genosse) von Bruno Barreto, der die Entführung des US-amerikanischen Botschafters Charles Elbrick 1969 in Rio de Janeiro durch eine Gruppe junger Militantes der brasilianischen Linken erzählt. Erstaunlich ist dabei vor allem die Leidenschaftlichkeit, mit der die brasilianische Linke diesen Film kritisiert, ihn als Fälschung bezeichnet und des Freispruchs für die Folterer bezichtigt.

Mit der Verfilmung des gleichnamigen Buches »O que é isso, companheiro?« von Fernando Gabeira hat sich der Regisseur Bruno Barreto auf ein sensibles Terrain begeben. Das 1979 veröffentlichte Buch des ehemaligen Guerilleros hatte sich zwar als Kassenschlager erwiesen und geradezu nach einer filmischen Bearbeitung geschrieen. Für die brasilianische Gesellschaft bedeutete dies jedoch, ein Tabu anzugehen. Der bewaffnete Kampf und die Folter sind traumatische Kapitel im nationalen Gedächtnis, die in verschämtes Schweigen gehüllt werden. Ein anderes verschwiegenes Kapitel sind die Beziehungen zwischen Brasilien und den USA. Noch immer erzeugen die amerikanische Unterstützung des brasilianischen Militärputschs und die Brutalitäten gegen die politischen Gefangenen und deren Familien in Brasilien ein Unbehagen.
Mehr denn je wurde es aber zur Notwendigkeit, dieses Tabu anzugehen. Die Zeit des bewaffneten Kampfes taucht in der brasilianischen Vorstellungswelt zunehmend aus der Vergessenheit auf ? in einer allerdings etwas eigentümlichen Weise. Sie entwickelt sich zu einer der seltenen Epochen mit gutem Rohmaterial für die Unterhaltung, mit Modellen politischer Leidenschaft, dramatischer Intensität und fast mythologischen Persönlichkeiten. Das war, um nur ein Beispiel zu nennen, schon in der TV-Serie »Anos Rebeldes« (Rebellenjahre) von Gilberto Braga 1992 zu spüren, einer Literaturverfilmung, die eine ähnliche Geschichte wie der Kinofilm erzählt: die Entführung eines Botschafters durch die brasilianische Linke und sein Austausch gegen politische Gefangene. In der Serie wurden die Guerilleros melodramatisch reduziert und bar jeglichen politischen Kalküls dargestellt: Entweder gingen sie in den bewaffneten Kampf, um dem Vater eins auszuwischen oder um sich vor der Freundin zu beweisen oder einfach aufgrund jugendlicher Begeisterung. Dennoch nahm das Publikum die Serie begeistert auf. In dieser unserer so unwürdigen Vergangenheit, die voller Zugeständnisse und Feigheiten war, wird der tödliche Widerstand einiger Helden gegen die Diktatur zu einem Kapitel, auf das die Brasilianer stolz sein können. Trotz der Niederlage steht der Widerstand als Beweis für nationale Tapferkeit. Taktische oder politische Fehler werden beinahe bedeutungslos.

Falsch erzählt?
Der Film von Bruno Barreto eignet sich weniger für Mythologisierungen dieser Art. Und das liegt meiner Ansicht nach weniger an der Verfälschung der Faktenlagen, die dem Film v.a. seitens der Linken vorgeworfen wird. Es stimmt, daß »O que é isso, companheiro« die geschichtlichen Fakten nicht ausreichend würdigt. Der Film läßt aus, er verändert und schafft neue Tatsachen. Man könnte dies aber einfach als filmisches Mittel begreifen, das auch in Filmen wie »Oktober« (von Sergej Eisenstein) oder »Die Schlacht um Algier« (von Gillo Pontecorvo) verwandt wurde, ohne daß sie deshalb von der Linken kritisiert worden wären. Man versteht unmittelbar, daß die fiktiven Szenen der Betonung einer ganz spezifischen Sinngebung folgen. Deshalb kann es in der Kritik an Barretos Film nicht allein um die Verfälschung von Tatsachen gehen. Darunter schwingt ein Gefühl verletzter Ehre mit, weil der Film hinter dem tatsächlichen Hergang nicht die erlösende Wahrheit enthüllt, nämlich die (rehabilitierende) Heldenhaftigkeit der damaligen Widerstandskämpfer. Und diese Sinnverschiebung kommt durch ein subtiles filmerisches Mittel zustande: die Verschiebung der Erzählperspektive.
Auf der Leinwand bleibt die Geschichte zwar berührend und heldenhaft, aber sie weckt Befremden. Das liegt nun aber nicht in einer etwaigen reaktionären Option der Filmemacher, sondern in der Verschiebung der Erzählerperspektive, die dem Zwang des Marktes und der Institutionen unterliegt. Und der Zwang heißt: Dieser Film muß Englisch sprechen, weil er dann mehr Chancen auf dem ausländischen Markt hat (ein bißchen Portugiesisch ist allenfalls gut, um dem Ganzen den notwendigen Hauch von Exotik zu verleihen). Aber Englisch sprechen bedeutet in diesem Fall etwas Komplexeres als einfach eine Sprache zu benutzen; es bedeutet, eine amerikanische Institution für die Geschichte und ihre Erzählung zu benutzen.
Im Buch, das in der ersten Person geschrieben ist, war Fernando Gabeira selbst der Erzähler. Im Film dagegen bemerkt man bei genauerem Hinsehen, daß nicht Fernando die Geschichte erzählt, sondern der US-Amerikaner Charles Elbrick. Über den konkreten Film von Barreto hinaus verweist diese Verschiebung auf eine grundlegendere Tendenz: der Verschiebung des Erzählers im brasilianischen Film, was diesen nicht mehr brasilianisch scheinen läßt. Will das brasilianische Kino auf dem globalisierten Markt bestehen ? entsprechend den Produktions- und Konsumnormen der Unterhaltungsindustrie US-amerikanischen Zuschnitts ? muß es offenbar Charakteristika seines erzählenden Subjekts aufgeben und versuchen, es durch die Charakteristika eines anderen zu ersetzen. Heute widmet sich das Kino einer neuen Aufgabe, nämlich eine Geschichte aus der Perspektive einer kohärenten Welt zu erzählen, die die Krise durchsteht, ohne sie sich eigen machen zu müssen. Genau das gilt für den Film von Barreto.
Der Erzähler ist der Botschafter der USA, Charles Elbrick. Er schreibt die Briefe, in denen die Persönlichkeiten der Militantes dargelegt werden, von ihm stammt der Text aus dem Off, der hier und da auftaucht; und obwohl er aus der Geschichte verschwindet, ehe sie zu Ende ist, werden die Geschehnisse aus seiner Perspektive erzählt. Elbrick besteht von Beginn an darauf, mit den Entführern in seiner Sprache, der des US-amerikanischen Bürgers, zu reden, obwohl er Portugiesisch beherrscht. Es ist nicht nur seine Sprache, die die Erzählung bestimmt, sondern auch seine Art, die Welt zu sehen. Es ist seine Lebensweise (die auch die des amerikanischen Kinos ist), die Krise zu durchleben, ohne sie sich zu eigen zu machen.

Image mit Englisch
Da er ein Opfer ist, wird Elbrick zum passiven Erzähler. Damit bleibt sein Zuwachs an Macht im Verlauf des Films fast unsichtbar. Dem Anschein nach drehen sich die Ereignisse um den Journalisten Fernando. Auf den ersten Blick zeigt ihn der Film als einen Journalisten mit Stil, der gute Texte schreibt, der intellektualisierter ist als die anderen. Tatsächlich erhält er aber nur Bedeutung und wird zum angesehensten Guerillero, weil er Englisch spricht. Nur das Attribut, Englisch sprechen zu können, verleiht ihm die menschliche und intellektuelle Größe, die die anderen nicht haben. Er ist nicht wie seine Genossen ein durch die Unterentwicklung erzeugter Radikaler: Wer Englisch spricht, dessen Ignoranz kann nicht bis zum Fanatismus reichen. Er ist jemand, der die andere Seite verstehen kann. Er ist der Dialogpartner par excellence. Dialog meint hier nicht nur die Übersetzung zweier Sprachen. Gemeint ist ein existentielles Gespräch. Der Journalist Fernando hört und versteht die Argumente des entführten Diplomaten. Und er spricht auch nicht deshalb Englisch, weil er eine bessere Ausbildung hatte als die anderen, sondern weil er besser ist als die anderen, nicht so eng, nicht so blind, nicht so taub. Er ist besser, weil er Englisch spricht. Wie der Botschafter.
Die Verschiebung der Erzählerperspektive verändert auch vollkommen den Blick auf die handelnden Personen. Wäre der Erzähler wie im Buch tatsächlich ein Guerillero und bliebe die Struktur des Filmes dieselbe, hätten wir folgendes Bild: auf der einen Seite Diktatur (Unterdrückung, Folter, Zensur, Imperialismus), auf der anderen Seite das unterdrückte Volk, in der Mitte die Vertreter des Volks (die bewaffnete Linke) und als ein viertes, außenstehendes Element der entführte Botschafter. Läge also das Zentrum bei der Linken, dann wäre jede Differenzierung für den Folterer, die über das Bild eines Gorillas hinausginge, undenkbar.
Die Struktur des Films ist aber ganz deutlich eine andere. Auf der einen Seite stehen die Polizei und vor allem die Folterer mit ihren existentiellen Dramen. Dazu wurde (wie bei dem Guerillero Fernando) auch einem der Folterer Komplexität verpaßt. Als fast untragbar hybrides Wesen begeht er Niederträchtigkeiten, zu denen nur ein vollständig verdorbener Mensch in der Lage wäre, und gleichzeitig analysiert er die Entwicklung mit einem geradezu visionären Esprit. Den anderen Folterer kümmern die Grausamkeiten genauso wenig wie sie dem anderen Guerillero etwas ausmachen. Demgegenüber stehen die Guerrilleros mit ihren Dramen, Entscheidungen treffen zu müssen. Und in der Mitte, aufgepaßt!, auf einem, von beiden Polen gleich weit entfernten Thron, sitzt der verständnisvolle, humanistische Botschafter, der resignierte Demokrat. In diesem Fall muß er zum Erzähler werden, weil er die Mitte ist ? oder anders herum. Und nur weil er das Zentrum ist, kann (und muß) der Folterer ein so verfeinertes Abbild erhalten. Schließlich stellen die Folterer genauso wie die Guerilleros ein Extrem dar, einer das genaue Gegenteil des anderen, einer genauso falsch wie der andere. Aus der Perspektive des Botschafters jedoch gab es zwei Seiten im Konflikt miteinander, von denen keine im Recht war, weil dieses in der Mitte lag. Damit lieferten die Exzesse der einen die Rechtfertigung für die der anderen Seite, in einer Spirale der Gewalt ohne Schuldige.

Erlösung durch den Mittelweg
Daß Charles Elbrick kein simpler Agent der CIA ist, sondern ein Humanist mit demokratischen Überzeugungen, legitimiert seine Position der Mitte noch zusätzlich. Als erzählendes Subjekt verkörpert er nicht den Imperialismus, sondern die zivilisierte (zivilisierende) Seite der Vereinigten Staaten. Er ist einer, der die nötige Klarheit besitzt, um die Nutzlosigkeit dieses Ausnahme-Regimes zu erkennen. Genau so drückt er sich in einer Szene aus. Die ganze Sache wirkt nur deshalb nicht vollkommen gekünstelt, weil sie sich inmitten all der künstlerischen Freiheiten im Umgang mit der Realität auf gewisse historische Fakten stützen kann. Elbrick hatte tatsächlich Respekt und Verständnis für seine Entführer, er war wirklich ein Kritiker der harten Linie in Brasilien. Den Aussagen der Beteiligten nach war er bemüht, eine zivile und weniger autoritäre Alternative anstelle der Perspektivlosigkeit der brasilianischen Diktatur zu finden. (Diese Unterlagen verschwanden gleich nach der Entführung in den Händen der Repression.) Elbrick begegnete seinen Bewachern tatsächlich mit Sympathie. Jetzt, in der Fiktion, läßt sich damit hervorragend das schlechte Gewissen Amerikas verkörpern, das so bestimmend wirkt in diesem tauben Totalitarismus der political correctness. Elbrick könnte politisch korrekter gar nicht sein. Elbrick ist im Film, wie wohl auch in Wirklichkeit, die Personifizierung des schlechten Gewissens der USA.
Deshalb erfährt nur ein einziger Mensch aus dem realen Leben eine Hommage von Bruno Barreto: Charles Elbrick. Es stimmt nicht ganz, daß der Film der Diktatur verzeiht. Und es stimmt nicht, daß der Film die politischen Fehler des bewaffneten Kampfes verurteilt, wie andere meinen. Beide Kritikpunkte beziehen sich zwar auf eine reale Grundlage, spiegeln jedoch nur Bruchstücke wider und verkennen den Blick auf das Ganze. Das Ziel dieser Literaturverfilmung, besser gesagt: ihre Berufung ist es, die Mitte freizusprechen ? ausschließlich die Mitte. Aus dem ganzen Dreck kommt einzig und allein die US-amerikanische Flagge sauber heraus. Der Erzähler nimmt sie mit sich mit, sauber, nachdem sein Martyrium zu Ende gegangen ist. Und sogar das Martyrium gerät zu einer Art Sühne der uneingestandenen Schuld, die auf ihm lastet; es ist ein gerechtes, wenn auch wirres Martyrium. Als er aber freigelassen wird, geht er nach Hause zurück, leicht und frei, wie es der Erzähler im amerikanischen Kino immer tut. Dem Kreuzfeuer zwischen den zwei Extremen entkommt er mit einer Verwundung am Kopf (am Gewissen), was nur gerecht ist; aber er entkommt heil, moralisch heil.
Aus all diesen Gründen ist »O que é isso, companheiro?« ein Kandidat für den Oscar. Für irgendeinen Oscar. Wenn es nicht noch einen schweren Zwischenfall gibt, läuft er Gefahr, prämiert zu werden. Es hat ein Film gefehlt, der die amerikanische Schuld an den in Brasilien begangenen Verbrechen gegen die Menschenrechte sühnt. »O que é isso, companheiro?« tut genau das ? ohne den bewaffneten Kampf verteidigen zu müssen, auch wenn er mit einigen ihrer Personen sympathisiert, und ohne die Folter zu verteidigen, obwohl er das fiktive Gewissensdrama eines Folterers einbaut. Folterer und Guerilla stehen sich in perfekter Symmetrie gegenüber ? und dazwischen der Botschafter mit seiner Vernunft, die allerorten um Verständnis heischt. Er hat die Chance, dieses Verständnis jetzt zu erhalten, da er tot ist, wenn die Jury in Hollywood die Oscars vergibt. Dieses Wahlgremium stimmt mit dem moralischen (oder dem schlechten) Gewissen ab, nicht nach ästhetischen Kriterien.

Von Protagonisten zu Statisten
Hier stehen wir also: In »O que é isso, companheiro?« sind die Protagonisten des bewaffneten Kampfes nicht mehr die Protagonisten der Geschichte. Sie werden hier zu einer dritten Person inmitten einer Geschichte, die nicht ihre ist, sondern die des Botschafters. Aus einer erweiterten Perspektive geraten sie in die Geschichte des Erzählsubjekts des amerikanischen Kinos, das sich bei dieser Gelegenheit ein Stück brasilianische Geschichte einverleibt. Dies vielleicht ist für die linken Kritiker der unerträglichste Angriff: Die Helden der Guerilla, die die Zügel der Geschehnisse in die Hand nehmen wollten, sehen sich, ohne daß dies bemerkt würde, auf die Rolle von Statisten reduziert. In »Anos Rebeldes« hatten sie zumindest den triumphierenden Platz der Protagonisten inne ? wenn auch zu einem melodramatischen Brei verarbeitet.
Obwohl Fernando Gabeira den Film lobt, sagt er über die Figur, die seinen Namen trägt: »Man kann nicht einmal sehen, daß ich diese Figur sein soll. Das bin nicht ich«. Kein Wunder, jener auf der Leinwand ist ein Dritter. Er ist eine dritte Person. Er ist ein Statist wie alle anderen auch, die unzähligen Collagen, Montagen unterzogen worden sind, der Macht der Realität entfremdet. Jener »Das bin nicht ich« ist einer, dessen Sichtweise scheinbar die Handlung leitet, der aber im Grunde den Folterern gegenübersteht, die sein ins Negativ verkehrte Abbild sind, und der einer Gewalt ausgeliefert ist, die seiner Kontrolle entgleitet. Der gefangene Botschafter dagegen hat als einziger den Überblick über das Ganze. Als Gefangener ist er der Erzähler. Selbst unter der schwarzen Brille, die sie ihm aufsetzen, um ihn blind zu machen, sind es seine Augen, die mittels der Kamera von Bruno Barreto als einziger die Tatsachen zu erkennen vermögen.
Trotz alledem ist »O que é isso, companheiro?« ein prächtiger Film. Mitreißend, bewegend, mit einer ihm eigenen Kraft. In der Hitze der Spannung kommt kein Zweifel auf: Das Publikum fiebert, daß der Botschafter lebend entkommt. Danach fiebert es, daß die Guerilleros lebend entkommen. Es fiebert gegen die Folter und für die Demokratie. Unser Problem war, daß wir den Film für das genommen haben, was er nicht ist. Er ist kein brasilianischer Film in dem Sinn, wie wir brasilianische Filme gewohnt sind. Streng genommen gehört uns »O que é isso, companheiro?« nicht, er ist nicht Frucht einer Bewegung, die mit der Linken irgendeine historische Verbundenheit pflegt. Er ist ein brasilianischer Film, der schon nicht mehr brasilianisch ist. Sein Auge ist nicht mehr das Auge, das wir einmal hatten, oder das die Linke hatte, um die Dinge zu sehen. Man kann von ihm nicht erwarten, daß er den Botschafter mit den Augen der Linken sieht, weil er nämlich die Linke mit den Augen des Botschafters sieht. Das ist nicht falsch, genauso wenig wie es richtig ist. Das ist ganz einfach so, weil es so ist.
Ich wünsche mir, daß »O que é isso, companheiro?« die Kinos füllt, weil er dann wenigstens Diskussionen über jene Zeiten der finsteren Kämpfe auslöst. Und es ist besser, von denen draußen gesehen zu werden, als von denen hier drinnen nicht verstanden zu werden. »O que é isso, companheiro?« ist ein sehr guter Film, aber ich brauche ihn nicht zu verteidigen. Ich sage nur, daß dieser Film für sich genommen keinen Sinn macht, jedenfalls für uns nicht. Er macht einen Sinn zusammen mit diesem Aufschrei von Seiten der Linken, der um uns herum ausgebrochen ist. Und das, Companheiros, das ist ein Fortschritt. Der Film mag uns in den Augen kratzen, aber er ist immer noch besser als die Fortsetzung der Dunkelheit.


Der Text ist in einer gekürzten Fassung der brasilianischen Tageszeitung Estado de Sao Paulo vom 11.6.1997 entnommen. Deutsche Erstaufführung des Films: Berlinale 1997.
Übersetzung: Barbara Fritz