Film
»Uns bleiben die Brocken«
Gespräch mit Ludwig Amman von Kool-Filmdistribution
iz3w: Die Kool-Filmdistribution ist ein kleines Unternehmen. Ihr nennt Euch »Verleih für ungewöhnliche Filme. Engagiert und ästhetisch«. Zu den Filmen, die Ihr in Deutschland vertreibt, zählen viele Produktionen aus dem Süden. Nun beklagt Edward Said, dass in den Kinos des Nordens nur selten Produktionen aus dem Süden und insbesondere der arabischen Welt zu sehen sind...
Ludwig Amman: Said hat recht. Arabische Filme kommen hierzulande so gut wie nie ins Kino. Indische, schwarzafrikanische und andere ebenso wenig. Wobei die Präsenz verschieden sein kann: In Frankreich ist der arabische Film sehr präsent. Youssef Chahines Das Schicksal sahen hier über 700.000 Zuschauer. Kein Wunder in einem Land, in dem ein Zehntel der Bevölkerung arabischer Herkunft ist! Ansonsten kommen Filme aus dem Süden nur für?s Kunstfilm-Publikum in Frage. Außerdem unterstützt die Filmförderpolitik der EU gezielt europäisches Kino. Wer als Verleiher einen griechischen Film herausbringt, hat zumindest die Chance, in hohem Umfang subventioniert zu werden ? besonders bei der teuren Synchronisation. Das macht Nicht-EU-Filme unattraktiv. Drittens spielen natürlich die Erwartungen des Publikums und die kulturelle Kompatibilität eine Rolle. Manche fernen Filmländer schaffen es ja ins europäische Arthaus ? Japan schon früh ? und jetzt, mit Preisen überhäuft, Iran. Der Film aus der Ferne soll einerseits an vertraute Ästhetiken und Diskurse anknüpfen und andererseits exotistische Sehnsüchte befriedigen. Dabei sollte aber nicht vergessen werden: Es gibt immer regionale Filmproduktionen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt einfach besser, schöpferischer, origineller sind als die anderen; so vermutlich das postrevolutionäre Kino aus Iran. Und es gibt immer herausragende Einzelwerke, die mangels Masse nur schwer zu vermarkten sind: Erst eine Phalanx von herausragenden Filmen könnte das Label »Arabisches Qualitätskino« etablieren.
Wie kommt ihr denn gegen die Konkurrenz der großen Verleiher zu Euren Filmen?
Wir sehen den Film auf einem Festival. Wir sind begeistert. Wir fragen uns, wer sonst begeistert sein könnte. Sind es viele ? sagen wir: über 50.000 mögliche Zuschauer ? brauchen wir beim Weltvertrieb gar nicht erst anzufragen, die Konkurrenz bietet mehr. Also bleiben uns nur die schwierigen Brocken: So wie El Medina, das Werk eines in Deutschland unbekannten Ägypters. Oder Love me, der neue Film von Laetitia Masson mit Sandrine Kiberlain. Das sind zwar Stars, aber das Publikum und selbst Teile der Kritik waren verstört. Dann bieten wir: Kaum Mindestgarantie, dafür liebevolle Herausbringung in ein bis fünf untertitelten Kopien mit Trailern, Plakat, Flyern, Presseheft, Dias und Werberatschlag. Das geht ins Geld, unter 40.000 DM ist das kaum zu haben. Der Weltvertrieb und erst recht der Produzent hoffen natürlich auf ein besseres Angebot. Wenn niemand den Film haben will, ist das unsere Chance.
Und schafft es ein Streifen dann doch mal in die lukrativeren großen Kinos?
In die Multiplexe: Nein, dort spielt ein völlig anderes Kino. In die großen Arthäuser: Durchaus, wenn der Film das gewisse Etwas hat, von dem sich die Programmierer etwas versprechen. Das kann dennoch schief gehen, wie bei unserem zweiten Versuch mit Chahine: Niemand wollte Der Andere sehen. Jetzt wissen wir, dass die Leute ins Schicksal rannten, weil sie einen Film über das Thema Fundamentalismus sehen wollten. Keinen Chahine, keinen ägyptischen Film, nein, einen Film zu diesem bestimmten Thema, der ? das nahmen sie eben in Kauf ? aus Ägypten kam.
Besteht für Euch die Möglichkeit, Filme auch ans Fernsehen zu verkaufen?
Wir haben es versucht und früher war das ZDF auch einmal stolz darauf, Chahine fürs deutsche Fernsehen entdeckt zu haben. Beim Schicksal haben sie dann abgewinkt: Auf gar keinen Fall, man habe doch die Reihe ?Der besondere Film? abgeschafft, wo solle der Film denn nun gezeigt werden? Filme aus dem Süden versprechen einfach keine Quote.
Die Fragen an Ludwig Amman stellte Jochen Müller (iz3w). |