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(Artikel * 1998) Maro, Ralf
Fotoreportage - Flucht ins Ölfeld Aserbeidschan zwischen Krieg und Erdölboom Aserbeidschan zwischen Krieg und Erdölboom
in Blätter des iz3w Nr. 232 * Seite 16 - 19
Themen: Aserbeidschan * Dok-Nr: 131064
Fotoreportage

Flucht ins Ölfeld
Aserbeidschan zwischen Krieg und Erdölboom

Text und Bilder von R.Maro/version

Mit dem Abschluß des »Jahrhundertvertrages« 1994, durch den ein westliches Konsortium unter der Federführung der Ölriesen BP, Amoco und Mobil erstmals Zugang zu den Ölreserven des Kaspischen Meers erhalten hat, begann in Aserbeidschan ein unvergleichlicher Erdölboom. Mit einem Investitionsvolumen von mehreren Milliarden US-Dollar sollen bis zu 2.000 Mio t Erdöl gefördert werden. Die wirkliche Größe der »Energiereserven des 21. Jahrhunderts« ist immer noch ungewiß, doch sie sollen bedeutender sein als die im Nahen Osten. Die Großmächte buhlen nicht nur untereinander um den Zugriff auf die Ölreserven, sondern auch mit den Regionalmächten um die Kontrolle über die Transportwege und die Pipelines. Ungeklärt ist bis heute die Frage, durch welche Pipeline das aserbeidschanische Erdöl gepumpt werden soll. Die bisher existierende Pipeline führt durch das vom Krieg gezeichnete Tschetschenien zum russischen Schwarzmeerhafen Noworosijsk. Fieberhaft arbeiten die westlichen Konsortien an der Fertigstellung einer weiteren Pipeline zum Schwarzen Meer durch Georgien, um die Hegemonie Rußlands am Kaspischen Meer einzuschränken. In Georgien soll das gelieferte Öl auf Tanker verladen und durch den Bosporus ins Mittelmeer geschifft werden. Dem versucht die Türkei entgegenzuwirken. Sie droht, den Bosporus für Öltanker zu schließen, und drängt auf den Bau einer neuen Pipeline von Georgien zum türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan.

Inmitten der Ölpumpen hütet Razi Aslanov seine Herde. Nur der Verkauf von Schafen sichert ihm und seiner Familie ein spärliches Auskommen. Wie viele der ca. 1,5 Millionen Flüchtlinge in Aserbeidschan ist er mit seiner Familie während des Krieges um die Enklave Nagorny-Karabach hierher geflohen. Die Familie bewohnt ein einziges Zimmer in einem der zahlreichen halbverfallenen Wirtschaftsgebäude des riesigen Ölfeldes. Aus Agdam in der Nähe der armenischen Grenze sind sie vor fünf Jahren hierher in die Ölfelder von Baku gekommen. Seitdem hat sich an ihrer Situation nichts geändert. Die aserbeidschanische Regierung weist in internationalen Gremien gerne auf die schlechte Versorgungslage der Flüchtlinge hin, um die russische Unterstützung der armenischen Armee in den Unabhängigkeitsbestrebungen Bakus weltweit anzuklagen. Trotz der hohen Einnahmen aus den internationalen Ölverkäufen weigert sich die Regierung Alijews daher, die aserbeidschanischen Flüchtlinge zu versorgen.


Ralf Maro ist Fotograf und lebt in Berlin