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(Artikel * 1998) die Redaktion
Neue Kreise ziehen neue Themen im iz3w
in Blätter des iz3w Nr. 231 * Seite 19 - 19
Themen: Themen im iz3w * Dok-Nr: 131046
Geburtstag

Neue Kreise ziehen

Als die iz3w in den 70er und 80er Jahren immer höhere Auflagen erreichte, korrespondierten diese Wachstumsraten mit einem wichtigen Ziel der Internationalismus-Bewegung: Es sollten »neue Kreise erreicht werden«, in Gewerkschaften, Parteien, anderen sozialen Bewegungen und Gruppen. Heute, nach 30 Jahren »Aktion Dritte Welt« ? so heißt der e.V., der der iz3w zur Seite steht ? sieht es so aus, als seien diese Kreise geschlossen. Mehr noch: Sie sind kleiner geworden. Es gibt weniger Aktionsgruppen, weniger Länder-Solidaritätsgruppen und auch weniger iz3w-AbonentInnen.

Heute kommt es mehr darauf an, sich nicht »im Kreis zu drehen«. Die Kritik ist zentral geworden in der iz3w. In dem vorliegenden Themen-Schwerpunkt zum 30jährigen Geburtstag richtet sich diese Kritik vornehmlich auf das eigene Produkt: Selbstkritik bezüglich der politischen Ausrichtung in der Vergangenheit zwischen Lobbyismus und Antiimperialismus, Kritik an der Bildersprache in den »Blättern« und Kritik, die uns in Form von Zusendungen, LeserInnen-Briefen und Begründungen für Abo-Kündigungen und Neu-Abos erreichten. Vieles von dem, was an der iz3w bemängelt wurde, haben wir inzwischen geändert, einige Anregungen für Verbesserungen haben wir umgesetzt. Die iz3w dreht sich nicht mehr »nur« um Länderberichte und -analysen, sie sucht Anknüpfungspunkte zu anderen Bereichen, es gab Themenblöcke zu Weltmusik und Sport, zu Biopolitik und Arbeit. Durch den »Südbezug« wollen wir dabei jedoch einen speziellen Blick auf diese Themen werfen. Andere Themenschwerpunkte (Globalisierung und Weltwirtschaft) stehen für sich, dreht sich die Welt doch auch ohne unser Zutun immer wieder im Kreis.

Die lineare Betrachtungsweise der 70er und 80er Jahre mit den klaren und unzweideutigen Analysen und vor allem der scheinbar deutlichen Alternative vor Augen ist einem Blick gewichen, der sich aus wechselnden Perspektiven einem Thema zu nähern versucht. Diese Blickrichtung trägt uns wiederum Kritik ein. Die iz3w lasse eine klare Linie vermissen, es herrsche eine postmoderne Beliebigkeit, die (kleiner gewordenen) Kreise der entwicklungspolitischen Szene vermissen die früheren länderbezogenen Artikel. Diese Debatte wird auch innerhalb der Redaktion geführt. Ein Gespräch zum Jubiläumsheft sollte Klarheit bringen. Es wurde geführt zwischen ehemaligen und aktuellen, zwischen jüngeren und älteren RedakteurInnen. Was war, was ist und was soll sie sein, die iz3w? Ist sie noch ein politisches Projekt als Teil einer Bewegung, oder hat sie sich ausschließlich der Kritik verschrieben, weil sie an eine richtige Politik im Falschen nicht mehr glaubt? Sollen wir dichtmachen, wenn wir den Anspruch aufgeben, die Welt nicht nur richtig zu interpretieren, sondern sie zu verändern, oder verzichtet nicht vielmehr derjenige auf jegliche Emanzipationsmöglichkeiten, der ideologisch denkt. Einige der Teilnehmenden sahen anschließend nichts Neues daraus hervorgegangen. Das Gespräch habe sich im Kreis gedreht. Es sei gescheitert.


Ob solche Debatten scheitern müssen, wissen wir nicht. Die Polarisierung zwischen »Politikern« und »Kritikern« besteht im iz3w schon seit Jahren. Manchmal finden wir die Streits auf den Redaktionssitzungen langweilig bis ätzend, manchmal sind sie gehaltvoll und bringen uns weiter. Vor allem, wenn Anstöße von außen kommen ? wie zuletzt durch die Reihe über Cultural Studies. Wenn also künftig auch Ihre oder Eure Kritik nicht abschließend in der Abo-Kündigung, sondern in Debatten- oder Leserbrief-Beiträgen, in der Zusendung von Bildmaterial (wir bauen gerade unser Foto-Archiv neu auf) oder in jeglicher anderer konstruktiver Form zum Ausdruck käme, könnte das einen neuen Kreis ermöglichen. Wir schicken diese Beiträge ? wenn sie gut sind ? in gedruckter Form zurück.

die redaktion