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(Artikel * 2001) Wehrheim, Jan
Leben im Club Private Stadtviertel schotten sich ab
in iz3w Nr. 255 * Seite 22 - 24
Themen: Privatisierung; Stadt; Wohnen * Sicherheit; Reichtum; Armut * Dok-Nr: 114370
Öffentlich ? Privat

Leben im Club
Private Stadtviertel schotten sich ab

Dass die sozialen Realitäten in Jakarta, Kapstadt, Phoenix, Sao Paulo, Beirut und Potsdam höchst verschieden sind, ist hinlänglich bekannt. Dennoch zeigt sich in all diesen Städten ein ähnliches Phänomen: Mauern und Zäune sichern ganze Wohnquartiere auf privatem Grund und Boden, verschiedenste Dienstleistungen werden von den BewohnerInnen kollektiv genutzt und kommerzielle Sicherheitsdienste schützen die Anwesen des wohlhabenden Klientels. Die Hintergründe für das Entstehen solcher Gated Communities variieren jedoch genauso wie die Folgen, welche die Abkapselung vom Rest der Städte mit sich bringt.

von Jan Wehrheim


Privatisierung ist das Stichwort, dass seit geraumer Zeit politökonomische Prozesse weltweit beschreibt. Regierungen ? vor allem die, die zu Zeiten des Fordismus auf wohlfahrtsstaatliche Regulation setzten ? betonen wieder das Prinzip der Subsidiarität. Eigenverantwortung soll vor allem für diejenigen groß geschrieben werden, die bei der neoliberalen Restrukturierung auf der Verliererseite stehen. Jene auf der Gewinnerseite scheinen den Staat tatsächlich immer weniger zu brauchen. Sie schaffen sich in den Städten abgeschottete Inseln, in denen sie zunehmend selbst für ihre Bedürfnisse sorgen. In diesen Enklaven kristallisiert sich eine neue Sphäre heraus, die zwischen der privaten und der öffentlichen zu verorten ist.
»Den öffentlichen Raum für eine uneingeschränkte Öffentlichkeit hat es in der Moderne wohl kaum gegeben« (Monika Wagner). So war die Figur des Flaneurs in den Pariser Passagen des späten 19. Jahrhunderts ausschließlich männlich, Menschen jüdischen Glaubens waren regelmäßig von öffentlichen Räumen ausgeschlossen. Das Bild, welches Friedrich Engels bereits 1845 für Manchester beschrieb, ist heute gerade in den Megastädten Lateinamerikas vorherrschend: Auch ohne Gated Communities werden die Quartiere der ArbeiterInnen bzw. der sozial (-räumlich) »marginalisierten Mehrheit« kaum von den Besserverdienenden betreten und umgekehrt. Dennoch übernehmen die Straßen und Parks der Städte trotz Massenmedien und weitreichender Privatisierung Funktionen von Öffentlichkeit. Gerade die Verlierer der Modernisierung sind es, die zwar immer wieder in der Nutzung des öffentlichen Raums eingeschränkt waren, aber gleichzeitig besonders darauf angewiesen sind: Informellen HändlerInnen, Straßenkindern etc. fehlt meist der Zugang zu Medien und Internet, um politische Öffentlichkeit zu erlangen ? geschweige denn, dass der Raum des Internet einen Platz zum Schlafen bieten würde. Der öffentliche Raum der Stadt ist trotz aller Reglements, polizeilicher Überwachung und der Dominanz einzelner Gruppen ein Ort der Differenz, des politischen Umbruchs, der Kommunikation, der Anonymität der Massen, der Abweichung und der unvorhersehbaren Ereignisse. Die Geschichte der modernen Städte und des öffentlichen Raums kann daher als Geschichte von permanenten Kämpfen und Konflikten mehr oder minderer Intensität über die Aneignung von Dominanz im und über Raum interpretiert werden, denn die »Herrschaft über Raum ist eine der privilegiertesten Formen der Herrschaftsausübung« (Pierre Bourdieu).
Demgegenüber steht die private Sphäre, die Sphäre der Emotionalität, des Rückzuges, die ermöglichen soll, die vielfältigen Eindrücke und flüchtigen Kontakte, die sich aus dem Aufenthalt in den Städten ergeben, zu verarbeiten. Sie steht für vermeintliche Vorhersehbarkeit von Ereignissen und damit im Unterschied zur öffentlichen für Sicherheit. Walter Siebel bezeichnet die Notwendigkeit der Privatsphäre als »Reaktion auf die Diskrepanz zwischen räumlicher Nähe und sozialer Distanz«, welche das Leben in Großstädten mit sich bringt, und dies gilt selbst für Favelas in Sao Paulo, in denen die Menschen in ihren privaten Kartonsiedlungen auf engstem Raum zusammenleben. Für Obdachlose, die »ihre« Privatsphäre in den Nischen öffentlicher Räume finden müssen, dienen versteckte Winkel und Parks als Rückzugsraum. Straßenecken werden ? wie von anderen Gruppen auch ? symbolisch besetzt. Die Straße dient als Ersatz für das Wohnzimmer. Öffentlicher Raum kann und muss gerade für die Armen auch private Funktionen übernehmen.
Sieht man einmal von solcher kleinsträumlicher Segregation ab, so sind es für diejenigen mit eigener Wohnung seit jeher die Stadtteile, die soziale Ungleichheit im Raum spiegeln und in denen sich Menschen anhand von ökonomischen und kulturellen Merkmalen von einander abgrenzen bzw. abgegrenzt werden. Die weltweite Expansion privater, gesicherter Wohnquartiere stellt jedoch zumindest seit dem 20. Jahrhundert eine neue Qualität dar.

Suggerierte Sicherheit
Unter Gated Communities werden Siedlungen von Einfamilienhäusern oder Apartmentanlagen auf privatem Grund verstanden, die über Gemeinschaftseinrichtungen verfügen und baulich abgegrenzt und gesichert sind. Sicherheitsmaßnahmen wie Zäune, Tore, Doorman, Videoüberwachung, sogar Ausweiskontrollen und Netzhautabtaster an Eingängen gibt es nicht nur in den privaten Quartieren der Reichen in Beverly Hills. Der Umfang solcher Maßnahmen steigt, je exklusiver eine Anlage ausgerichtet ist. Kontrovers wird diskutiert, ob der Ursprung der Gated Communities in den USA liegt, oder ob nicht vielmehr die durch tagtägliche Gewalt und extreme soziale Polarisierung geprägten Megastädte des Trikonts Ausgangspunkt für deren weltweite Verbreitung sind. Ein Auseinanderdriften zwischen Arm und Reich lässt sich mit mehr oder weniger starker Ausprägung global konstatieren. Während also Städte wie Bogotá oder Kapstadt bereits seit langem durch enorme Einkommensunterschiede gekennzeichnet sind, setzte diese Tendenz z.B. in Deutschland erst vor kurzem ein. Eine größere Einkommensheterogenität und sogar soziale Ausgrenzung erscheint jedoch gerade vor dem Hintergrund der Phase des Fordismus als gravierende Änderung.
Angst vor Kriminalität und alltägliche Gewalt sind wesentliche Faktoren, die den Boom der Gated Communities forcieren. Dies gilt insbesondere für zahlreiche Städte im Trikont (alleine Bogotá verzeichnet ca. 10 Morde täglich), ist aber ebenfalls für US-amerikanische oder europäische Städte relevant, denn die Furcht vor Kriminalität und die reale Kriminalitätsentwicklung (im Sinne von Gewaltverbrechen, Diebstählen etc.) sind voneinander nahezu unabhängige Variablen. Schließlich verstärken auch Riots und sogar Pogrome wie in Jakarta 1998 die Verbreitung von gesicherten, abgeschotteten Quartieren. Gated Communities suggerieren eine Sicherheit, die bisher, vor allem in den USA, mit dem Rückzug in die Vororte verbunden war. Diese waren schon immer Ausdruck davon, der gefährlichen öffentlichen Stadt zu entfliehen, soziale und ethnische Homogenität und Ruhe in der Nähe der Natur zu suchen. Die Vorstädte wurden jedoch in der Vergangenheit zunehmend urbanisiert. Private, gesicherte Wohnquartiere perfektionieren nun das alte bourgeoise Ideal.

Geregelt hinterm Zaun
Die privaten Wohnsiedlungen sind ein riesiger Markt: neben dem Bau der Quartiere selbst gilt das auch für das Management, die Pflege des Rasens und der Swimmingpools, die Sicherheitsvorrichtungen und das Sicherheitspersonal etc. Die organisierten Quartiere stellen nicht selten auch eine öffentliche Infrastruktur privatwirtschaftlich sicher, die selbst in gehobenen »öffentlichen« Quartieren nicht immer gewährleistet ist: private Schulen, Sicherheitskräfte oder sogar, wie im Libanon, die Sicherung der Wasser- und Stromversorgung. Auch die Instandhaltung von Straßen wird in privaten Communities v.a. in den USA eigenständig organisiert. Die vertraglich festgelegten Regelungen beziehen sich auf nahezu alle Bereiche des täglichen Lebens: die optische Gestaltung der Häuser kann vorgegeben sein, Geschwindigkeiten auf den privaten Straßen, Besuchszeiten bis hin zu Kussverboten vor dem eigenen Haus. Sie bieten aber auch ganz besonders Kontrolle über die Immobilienwerte.
Das Wohnen in solchen Siedlungen bringt immer Prestigegewinne mit sich. Privateigentum und Sicherheitstechnik bedeuten soziale Abgrenzungsmöglichkeiten selbst gegenüber anderen Mittel- oder Oberschichtsangehörigen. Private Quartiere mit Golf- und Hubschrauberlandeplatz sind Ausdruck eines an Luxus, Konsum und Freizeit orientierten Lebensstils. In Südafrika halten Gated Communities teilweise den vergangenen Status quo der Apartheid und der Privilegiensicherung aufrecht: Die politisch administrative Apartheid wird durch eine marktförmige substituiert.
Die Hintergründe sind also vielfältig und national bzw. lokal unterschiedlich. Bezüglich der Expansion von Sicherheitsmaßnahmen kann vermutlich Lateinamerika als Vorreiter angesehen werden, aber auch Städte in anderen Ländern mit bewaffneten Konflikten tendieren zu baulicher Abgrenzung (wie z.B. Quartiere israelischer SiedlerInnen im West-Jordan Land). Bezüglich der Betonung von Privateigentum und Exklusivität gilt es die Vorbildfunktion der USA hervorzuheben, denn auch die Eliten des Trikonts orientieren sich gerne am Bild des scheinbar von Luxus gezeichneten »american way of life«.

»Aktion Selbstbesteuerung«
Die gesellschaftlichen Auswirkungen von privaten Gated Communities hängen von Größe und Quantität der Siedlungen ab. Sind es, wie bislang in Deutschland, einige wenige, so sind sie zwar Ausdruck sicherheitstechnisch überhöhter Abgrenzung und Ausgrenzung, aber sie beeinflussen weder die räumliche Struktur der Städte noch die Bewegungsfreiheit nachhaltig. Die Symbolik der Exklusivität scheint vielmehr das herausragende Merkmal zu sein. Anders gestaltet es sich in den USA, wo sich die Auswirkungen der Gated Communities auch auf nicht umzäunte Quartiere und Räume ausdehnen, die nicht mehr ohne weiteres betreten werden können (z.B. Strände). Wesentlich ist die Rolle der kommunalen Steuern, denn je mehr private Quartiere sich verbreiten, umso stärker findet auch eine Polarisierung bei den Abgaben statt: BewohnerInnen privater Quartiere mit einer starken politischen Lobby zahlen nur noch für die Leistungen, die sie brauchen und für die sie nicht schon selbst sorgen. Die verbleibenden öffentlichen Kommunen ? die sowieso noch nie durch üppige Sozialleistungen hervorstachen ? haben demgegenüber immer weniger Finanzen für benachteiligte Quartiere und ihre BewohnerInnen oder für soziale Infrastruktur im weitesten Sinn übrig. In den USA scheint die Strafjustiz der einzige Bereich, in den noch Gelder aus reicheren Vierteln fließen, die für die Armen ausgegeben werden. Jedoch nur noch, um diese einzuschließen.
Arme sollen die Quartiere der Besserverdienenden nicht betreten (es sei denn, sie stehen dort in einem Angestelltenverhältnis). Aber auch umgekehrt verlassen die BewohnerInnen ihre Viertel kaum, denn die Infrastruktur (Fitness-Center, Einkaufszentren, private Schulen etc.) ist zunehmend in die privaten Quartiere integriert. Die öffentliche Straße wird gemieden, bzw. nicht zu Fuß betreten. Die erforderliche Mobilität wird auf der Straße mit dem privaten PKW zwischen den »gefährlichen, armen Fremden« auf den Bürgersteigen absolviert oder sogar innerhalb der Städte mit dem Hubschrauber.
Der Effekt der Abschottung in Gated Communities scheint paradox: Mauern, Kameras und Polizei wirken als permanente Erinnerung an die vermeintliche Gefahr. Innerhalb der geschlossenen Siedlungen fühlt man sich geschützt, wird aber beim Blick auf die Mauern, die einen umgeben, tagtäglich an die »Gefahr vor der Türe« erinnert. Damit sich die Mittel- und Oberschichtsangehörigen jedoch nicht in ihren Quartieren eingesperrt fühlen, müssen immer weitere Räume »gesichert« werden, denn die Bereitschaft, öffentliche Orte ohne Sicherheit zu nutzen, dürfte sinken.

One dollar, one vote
Private Wohnquartiere ? mit und ohne Mauern ? zeichnen sich durch eine Kombination aus Privateigentum, kollektiv genutzten Dienstleistungen und gemeinschaftlichem Eigentum aus. Dies wird teilweise dahingehend interpretiert, dass das Konzept der Communities an das Modell der Gartenstadt, wie es im 19. Jahrhundert von Ebenezer Howard entworfen wurde, angelehnt sei. Die Idee der Gartenstadt war jedoch durch basisdemokratische Elemente, Landeigentum der Kommune und ein Marktmodell, welches kapitalistische und sozialistische Aspekte kombinierte und kaum eine Trennung zwischen privaten und kommunalen Unternehmen erlaubte, geprägt. Die Gated Communities des späten 20. Jahrhunderts sind jedoch signifikant anders gestaltet: Bewohnervereinigungen werden bereits von den Unternehmen initiiert, die die Anlage entwickeln, das Management wird in der Regel Unternehmen übertragen, Partizipation und ehrenamtliches Engagement tritt meist nur dann auf, wenn es um Immobilienwerte geht, und das Stimmrecht orientiert sich nicht an dem Prinzip »eine Person eine Stimme«, sondern entweder »eine Stimme pro Haushalt« oder sogar nach dem Immobilienwert gestaffelt: »one dollar ? one vote«.
Auch wenn zumindest in den USA viele der BewohnerInnen die freundschaftliche Nachbarschaft und gute Gemeinschaft betonen, so sind ihnen doch mit der wachsenden Größe der Communities immer weniger Nachbarn überhaupt bekannt. Trotzdem schlägt exzessives Misstrauen gegenüber allen Menschen vor dem Tor in nahezu unberührbares Vertrauen gegenüber allen hinter der Mauer um. Zentral ist dabei die Abgrenzung nach außen: Mauern halten die Community zwar physisch, jedoch nicht sozial zusammen. Das Soziale ist durch ein professionelles Management institutionalisiert, das Feiern, Kinderbetreuung etc. extern organisiert. Die Nutzung der gemeinschaftlichen Dienstleistungen und Güter ist exakt vertraglich geregelt. Verstöße gegen das interne Reglement und auftretende Konflikte werden mit Rügen, Geldstrafen und im Zweifelsfall sogar mit Pfändungsmöglichkeiten geahndet. Soziale Kontrolle ist vergesellschaftet. Die vertraglich festgeschriebene Zugehörigkeit zu privaten Wohnvierteln sorgt zudem dafür, dass die angebotenen »Club-Güter« auch nur durch Zugehörige genutzt werden können: Die BewohnerInnen zahlen für den großen Pool oder den Tennisplatz, dafür können diese Angebote jedoch auch nur von den Mitgliedern genutzt werden. Geld alleine reicht nicht mehr aus, um partizipieren, um dort wohnen zu können oder aber auch nur das Gelände betreten zu dürfen. Im Zweifelsfall ist vertragliche Zugehörigkeit notwendig. Partikulare Normen und die exklusive Ausstattung schaffen die Atmosphäre eines Club Mediterranées, und mit den Mauern wird die Haustür symbolisch an die Grenze des Viertels verschoben. Der ehemals öffentliche Raum der Quartiere wird domestiziert ? im doppelten Wortsinn.

Flucht vor der Stadt
Das Territorium der Gated Communities bietet dabei eine eng begrenzte Form des lokalen Regierens, die auf dem Ausschluss der Öffentlichkeit basiert: die Normen und der damit festgeschriebene Lebensstil sind das, was zählt und woran sich die BewohnerInnen orientieren. Das Draußen ist egal, während sich Drinnen eine »Konstruktion eines glaubwürdigen Gefühls von Gemeinschaft [vollzieht], wo keine Gemeinschaft existiert« (MacCannell). Die Gemeinschaften sind nicht gewachsen, sondern zweckrational ausgerichtet. Mitglied kann werden, wer über das Kapital verfügt und die Bedingungen akzeptiert. Mit dieser Flucht vor der Stadt, vor der Öffentlichkeit und vor den Fremden ? vor allem den Armen ? scheint sich eine neue Sphäre zwischen der öffentlichen und der privaten zu konstituieren: eine Art Clubsphäre. Während das private Haus den Kern der Privatsphäre bildet und die übrige Stadt die öffentliche, ist das Leben in der Gated Community als Club organisiert, so dass sich eine Dreiteilung in ein »Ich«, »Wir« und »Die« herausbildet und sich nach Außen als »us vs. them« präsentiert. Die Clubsphäre ist weder eine private noch ein öffentliche, denn der Personenkreis, der daran partizipiert, ist zwar groß, aber auch quantitativ bestimmt und ausgesucht. Wie diese Sphäre genutzt werden kann, ist privatrechtlich geregelt. Sie ist geprägt von Kontakten zu anderen, die zwar fremd sind, aber denen nicht das Stigma der Gefährlichkeit zugeschrieben wird. Private Quartiere könnten insofern als eine neoliberale Ausprägung von »Gemeinschaft« bezeichnet werden, in der sich territorial eng begrenzt das Ökonomische wieder mit dem Sozialen verbindet, wenngleich das Ökonomische dominiert und das Soziale kontraktuell organisiert ist.
Mit der Privatisierung von Raum tritt ein qualitativer Wandel innerhalb der Städte ein. Während der öffentliche Raum in der Geschichte trotz aller Hierarchien, Reglements und Ausgrenzungen immer umkämpft war, endet dies mit seiner zunehmend großflächigen Privatisierung, die zudem ? im Süden genauso wie in den nördlichen Metropolen ? mittels Hightech, Mauern und Schwarzen Sheriffs gesichert ist.

Jan Wehrheim ist Sozialwissenschaftler, Entwicklungspolitologe und Mitarbeiter der AG Stadtforschung an der Universität Oldenburg.


Literatur:
? Bourdieu, Pierre (1991): Physischer, sozialer und angeeigneter physischer Raum. In: Wentz, Martin (Hg.): Stadt-Räume. Frankfurt a.M., S. 25-34

? Engels, Friedrich (1974)[1845]: Die großen Städte (auszugsweiser Abdruck aus: Die Lage der Arbeitenden Klasse in England). In: Herlyn, Ulfert (Hg.): Stadt- und Sozialstruktur. München, S. 91-106

? Siebel, Walter (1998): Urbanität. In: Häußermann, Hartmut (Hg.): Großstadt ? Soziologische Stichworte. Opladen, S.262-270

? Wagner, Monika (1999): Sakrales Design für Fiktionen vom öffentlichen Raum. In: Kulturzentrum Schlachthof e.V. (Hg.): parks in space. Bremen-Boston, S. 66-75